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Persönlicher Erfahrungsbericht: Als Flugbegleiterin in der COVID-19-Pandemie – Die harte Realität am Himmel

Es kursiert ein treffendes Meme zur Coronavirus-Pandemie: "Wollen Sie wissen, wie es sich anfühlt, in dieser Zeit [Beruf einfügen] zu sein? Denken Sie an die Titanic, wo die Band weiterspielte. Genau das sind wir."

Als Flugbegleiterin mit einem Jahr Berufserfahrung spüre ich dieses Meme besonders intensiv. Ärzte, Pfleger, Supermarktmitarbeiter oder Polizisten – viele Helfer teilen dieses Gefühl. Doch in der Luftfahrt trifft es mich direkt.

Schon bei meinem Einstieg wusste ich: Mein Immunsystem wird stark gefordert. Täglich berühre ich Hunderte Passagiere, viele krank. Ich hebe Gepäck, reiche Getränke aus, nehme Müll, Taschentücher oder Erbrochenes entgegen.

Flugzeuge – unser mobiler Arbeitsplatz – werden selten gründlich gereinigt. Die Crew hat oft nur 5 Minuten pro Flugzeug. Wir essen vor der Toilette, sehen Passagiere barfuß gehen und ohne Händewaschen herauskommen. Frische Luft? Manchmal vom Morgen bis Abend Fehlanzeige.

Ergebnis: In 12 Monaten litt ich unter zwei Nasennebenhöhlenentzündungen und einer Doppelohrentzündung – Erkrankungen, die ich zuvor nie hatte.

Trotz alarmierender COVID-19-Zahlen fürchte ich Krankheiten nicht mehr. Daran habe ich mich gewöhnt.

Beunruhigender ist der Kollaps der Luftfahrtbranche. Passagiere bringen unzählige Keime mit, doch vor COVID-19 dachte kaum jemand daran. Masken oder Desinfektion? Selten.

Der Ausbruch verbreitete sich rasch über Flughäfen und Kreuzfahrten. Plötzlich trugen mehr Passagiere Schutzausrüstung – oder blieben fern. Trotz Diskussionen um Flugstopps sind US-Inlandsflüge weiterhin aktiv.

Wie die Titanic-Musiker muss ich lächeln, Passagiere beruhigen – obwohl ich ängstlich bin. Heute mailte unser CEO: Auslastung -25 % zum Vorjahr, 20 % der Flüge für April und 25 % für Mai gestrichen. Freiwillige unbezahlte Auszeiten drohen – Vorbote von Kündigungen.

Laut CNN prognostiziert das CAPA Center for Aviation: Ohne Staatshilfe bankrottieren die meisten Airlines bis Ende Mai.

Britischer BA-Chef nannte die Pandemie "schlimmer als 9/11" für die Branche.

Weniger Flüge bedeuten weniger Personal. Meine Airline fliegt noch, langsamer. Andere nicht: Flybe stellte im März ein, Crew erfuhr es im Flugzeug vor Passagieren.

Ein Passagier zu Sky News: "Der Pilot verkündete es während der Sicherheitsinstruktion. Sie versuchten Humor, doch es war herzzerreißend."

Weitere Pleiten folgten:

  • 14. März: Norwegian Air entlässt 50 % des Personals.
  • 15. März: SAS trifft 90 % der Belegschaft.
  • Heute: Cebu Pacific kündigt 150 Flugbegleitern.

In der Luftfahrt zählt Dienstzeit – nach einem Jahr bin ich anfällig. Dieser Job ist ein Lebensstil, hart, aber bereichernd. Eine Pandemie? Nie erwartet.

Trotzdem quält mich Schuld: Trage ich das Virus weiter? Ich fliege täglich zu bis zu fünf Zielen, während andere isolieren. Social Media schämt "Normalos", doch viele wie ich haben keine Homeoffice-Option – und verlieren Jobs zuerst.

Beispiellose Zeiten. Bis zum Stopp spielt unsere "Band" weiter – für Airlines und Gäste.

Micki Spollen ist Redakteurin bei YourTango, Autorin und erfahrene Flugbegleiterin.