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Freizeitstress: Warum er krank macht und wie Sie sich effektiv schützen

Freizeitstress ist für viele ein alltägliches Problem. Als erfahrene Psychologie-Expertin erkläre ich, warum er unser Wohlbefinden so nachhaltig beeinträchtigt und wie Sie ihn gezielt vermeiden können.

Nach einer vollen Arbeitswoche freuen Sie sich auf das Wochenende – doch der Terminkalender ist voll: Treffen mit Freunden, Kinder zum Fußball oder zu Freund:innen bringen, Eltern anrufen, Wäsche waschen, Küche putzen. Absagen fällt schwer, niemand soll hängen gelassen werden. Am Sonntagabend ist die Hektik vorbei, die neue Woche beginnt – doch Erholung blieb aus. Das ist ein ernstzunehmendes Problem.

Was ist Freizeitstress?

Die Psychologin Dr. Annalisa Stefanelli erklärt im Sanitas-Magazin, dass Freizeitstress sich nicht von anderen Stressarten unterscheidet. Stress entsteht durch ein Ungleichgewicht: Äußere Erwartungen oder eigene Ziele passen nicht zu unseren Möglichkeiten. Wir überschreiten unsere Kapazitäten, fühlen uns überfordert, gehetzt und unzufrieden.

Stress ist nicht immer negativ. Die Psychologie kennt Eustress – positiven Stress, der mit Erfüllung endet (Sanitas-Magazin). Disstress hingegen löst Bedrohung aus. Längerfristiger negativer Stress begünstigt laut Universitätsspital Zürich Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Burn-Out, Herz-Kreislauf-Probleme (Herzinfarkt, Bluthochdruck) oder Magen-Darm-Beschwerden (Reizdarmsyndrom).

Stressempfinden ist individuell. Manche sehen einen vollen Plan als Bereicherung, andere brauchen mehr Alleinzeit. Es variiert auch je Lebensphase. Vergleichen Sie nicht – nur Sie wissen, was Sie brauchen, um sich von Arbeit, Konflikten oder Herausforderungen zu erholen.

Warum empfinden wir Freizeitstress?

Der Freizeit-Monitor (seit 1982, 3.000 Befragte bis August 2022) zeigt: Hauptauslöser ist das Gefühl, Zeit zu vergeuden – Stau, Schlangen, unerwünschte Gesellschaft. Seit der Pandemie stieg Stress durch Lebensplanung (z. B. Karriere vs. Familie). Größte Trigger:

  • nicht genug Zeit für sich und andere,
  • zu hohe Ausgaben,
  • ständige Werbung,
  • Lärmbelästigung.

Während der Pandemie sank Freizeitstress durch weniger Angebote. Mit Lockerungen kehren Vorkrisen-Niveaus zurück – ob Stress zunimmt, bleibt abzuwarten.

Ulrich Reinhardt (wissenschaftlicher Leiter Freizeit-Monitor) nennt in der Süddeutschen Zeitung soziale Medien als Hauptgrund für zunehmenden Freizeitstress.

Soziale Medien und FOMO

Soziale Medien lassen uns Freizeit nicht mehr genießen. Auf Instagram oder TikTok sehen wir perfekte Leben – das erzeugt Druck und FOMO (Fear Of Missing Out). Reinhardt spricht von Optimierungswahn: Wir optimieren alles, inklusive Freizeit. Statt Couch und Buch verabreden wir uns für Inhalte. Aktivitäten werden Pflicht statt Freude.

Freizeitstress vermeiden: Praktische Strategien

Soziale Medien, Vernetzung und Druck sind Kernursachen. Nutzen Sie dieses Wissen für echte Erholung:

  • Digital Detox: Smartphone aus, soziale Medien meiden. Nur intervallweise checken.
  • Nothing-Time: Blocken Sie Zeit zum Nichtstun und Selbstfürsorge.
  • Absagen lernen: Sagen Sie "Nein", wenn Ruhe priorisiert werden muss.
  • Hobbys: Schaffen Sie Flow-Momente beim Kochen, Spazieren, Sport, Malen.
  • Achtsamkeit: Integrieren Sie Meditationen, Atemübungen, Entspannungstechniken. So erkennen Sie Bedürfnisse klarer – Spieleabend oder Tee auf der Couch?