DeuAq.com >> Leben >  >> Gesundheit

Animal Hoarding: Die psychische Erkrankung hinter dem krankhaften Sammeln von Tieren

Animal Hoarding ist eine ernste psychische Störung, bei der Betroffene eine unkontrollierbare Leidenschaft für das Horten von Haustieren entwickeln. Für die Tiere bedeutet dies in der Regel enormes Leid. 2021 verzeichnete der Deutsche Tierschutzbund einen alarmierenden Rekord.

Diese Erkrankung belastet sowohl die Betroffenen als auch die Tiere schwer. Als Expertenorganisation für Tierschutz klassifiziert der Deutsche Tierschutzbund Animal Hoarding als psychisches Krankheitsbild, das oft mit anderen Störungen wie Zwangsstörungen oder Depressionen einhergeht. Betroffene verlieren häufig den Überblick über ihre Tiere und können sie nicht mehr angemessen versorgen. Die Konsequenz: Mangel an Futter, Wasser, Platz, Hygiene und tierärztlicher Pflege führt zu Verwahrlosung, schweren Krankheiten und oft zum Tod der Tiere.

Beispiele aus der Praxis des Tierschutzbunds zeigen die Dramatik: Personen lebten mit 24 Hunden und zwei Katzen in einer Wohnung, hielten 35 Hunde im Wohnzimmer oder pflegten neben vier Kindern 14 Hunde. Oft ist den Betroffenen das Leid der Tiere nicht oder nur begrenzt bewusst – viele glauben sogar, die Tiere vor Schlimmerem zu retten. Für Tierschützer sind solche Fälle komplex, da Kooperation meist fehlt.

Animal Hoarding: Eine wachsende Herausforderung für den Tierschutz

2021 meldete der Deutsche Tierschutzbund einen traurigen Höchststand: 68 Fälle seit der ersten Erhebung 2012 – das sind mehr als ein Fall pro Woche. Im Vergleich: 2012 waren es nur 22. Ob dies auf eine Zunahme der Erkrankung oder bessere Aufdeckung durch Behörden zurückzuführen ist, bleibt offen. Der Tierschutzbund schätzt eine hohe Dunkelziffer.

Hunde und Katzen sind am häufigsten betroffen, gefolgt von Nagetieren, Nutztieren wie Kühen und Schafen, Vögeln sowie einheimischen und fremden Wildtieren.

Die Fälle bleiben oft lange unentdeckt, da Betroffene sich isolieren. Meist melden Nachbarn aufgrund von Gestank oder Lärm die Behörden. Bei mangelnder Kooperation muss das Veterinäramt gerichtliche Genehmigungen einholen, um Tiere zu beschlagnahmen. 2021 fanden Tierschützer in neun Fällen 283 tote Tiere.

Das Leid der Tiere bei Animal Hoarding

Ein eindrückliches Beispiel des Tierschutzbunds: Eine Person hortete Pferde, die sich unkontrolliert vermehrten. Auf matschigen Weiden steckten sie bis zu den Sprunggelenken fest, Rangkämpfe führten zu unbehandelten Verletzungen. Parasiten, Hautkrankheiten und Unterernährung dezimierten die Herde; Kadaver lagen offen herum. Vernachlässigte Hufe verursachten Schmerzen und Lahmheit, Fohlen wurden totgetrampelt. Ähnliche Schicksale trifft Hunde, Katzen und andere Arten.

Animal Hoarding als psychische Erkrankung

Die Ursachen sind vielfältig: Suchterkrankungen, Zwangsstörungen, Angststörungen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen wie Borderline und Psychosen. Betroffene wenden sich oft von Menschen ab und suchen Trost bei Tieren.

Der Tierschutzbund identifiziert vier Typen, die sich überschneiden können:

  • Übertriebene Pfleger:innen: Sozial isoliert, ersetzen sie Menschen durch Tiere, scheitern aber an der Versorgung und bagatellisieren das Chaos.
  • Retter:innen: Ihre Mission: Tiere vor Leid schützen. Sie nehmen jedes Tier an und lehnen nichts ab.
  • Züchter:innen: Kaufen Tiere zum Züchten und Verkaufen, verlieren aber Kontrolle durch ungebremste Vermehrung.
  • Ausbeuter:innen: Narzisstisch und empathielos nutzen sie Tiere egoistisch und tarnen ihr Handeln lange.

Unabhängig vom Typ ist psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung essenziell, um die Spirale zu durchbrechen.