Das letzte Jahr war geprägt von psychischen Belastungen: Eine Studie in JAMA ergab, dass die Prävalenz von Depressionssymptomen während der COVID-19-Pandemie dreimal höher war als zuvor. Laut einem Bericht von Mental Health America ist die Zahl der Menschen, die psychische Hilfe suchen, im Vergleich zu 2019 massiv gestiegen.
Unabhängig davon, ob Sie selbst betroffen sind, kennen viele von uns jemanden in der Familie oder im Freundeskreis, der mit Angst kämpft. Als Suchtpsychiater und Neurowissenschaftler mit langjähriger Klinikerfahrung, Jud Brewer, M.D., Ph.D., teilt im mindbodygreen-Podcast eine bewährte Strategie: Statt sofort zu handeln, einfach zuhören. Diese Herangehensweise schützt nicht nur den Betroffenen, sondern auch Sie selbst.
Im Folgenden erklärt Brewer, warum Zurückhaltung und achtsames Zuhören langfristig allen Beteiligten zugutekommt.
So unterstützen Sie Angehörige mit Angst, ohne sich zu überfordern
Es klingt kontraintuitiv, innezuhalten, wenn ein Nahestehender leidet. Doch Brewer betont: Nehmen Sie sich einen Moment, atmen Sie durch, um ruhig und klar zu reagieren.
„Im Medizinstudium lernte ich: Bei einem Herzinfarkt messe ich zuerst meinen eigenen Puls“, erklärt Brewer. „Das bedeutet nicht, den Patienten zu ignorieren, sondern ruhig zu bleiben. Andernfalls behindere ich mein Team nur."
Sie können anderen nicht helfen, wenn Sie selbst im Stress sind – wie ein Auto mit leerem Tank. Brewer rät zu Erdungstechniken wie Körperscans oder Atemübungen, um geerdet zu bleiben.
Der Drang, sofort einzugreifen, kann kontraproduktiv wirken: „Bei ängstlichen Familienmitgliedern signalisiert unser Gehirn: ‚Das ist unangenehm, mach was!‘ Oft wollen wir dann unsere eigenen Gefühle lindern, nicht nur ihre Angst beheben.“
Stattdessen: Zuhören statt Lösungen aufzwingen. Stellen Sie offene Fragen und präsentieren Sie sich wirklich. „In meiner Residency lernte ich: ‚Tu nicht einfach etwas, sitz da.‘ So kann ich genau verstehen, was vor sich geht.“
Das Wichtigste im Überblick
Der Impuls zu handeln ist verständlich, doch Brewer empfiehlt: Pausieren, erden, zuhören – dann gemeinsam nächste Schritte planen. So profitieren beide Seiten.
Sie sind nicht allein: Bei Suizidgefahr rufen Sie die National Suicide Prevention Lifeline unter 800-273-8255 an oder besuchen suicidepreventionlifeline.org.