Einsamkeit geht weit über ein reines Gefühlszustand hinaus und kann die körperliche Gesundheit nachweislich beeinträchtigen – etwa durch gesteigerte Entzündungen, Schmerzen oder bestimmte Erkrankungen. Eine aktuelle Studie in der renommierten Fachzeitschrift Diabetologia, durchgeführt von Experten des King's College London, zeigt: Menschen mit mangelnden qualitativ hochwertigen sozialen Beziehungen laufen ein deutlich höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
Die Forscher analysierten Daten von 4.112 Erwachsenen ab 50 Jahren. Zu Studienbeginn wies keiner der Teilnehmer Diabetes auf, und alle Blutzuckerwerte lagen im gesunden Bereich. Nach 12 Jahren hatten 264 Probanden Typ-2-Diabetes entwickelt.
Der Zusammenhang zu Einsamkeit
Auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Gewicht, Blutzucker, Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigten einsame Personen ein signifikant höheres Diabetesrisiko.
Überraschend: Alleinlebende oder Personen mit sozialer Isolation bzw. Depressionen wiesen kein erhöhtes Risiko auf. "Einsamkeit und soziale Isolation sind zwei unterschiedliche Phänomene", erklären die Wissenschaftler.
Unterschied zwischen Einsamkeit und sozialer Isolation
"Einsamkeit hängt von der Qualität der Beziehungen ab", so Ruth Hackett, Ph.D., in einer Pressemitteilung. Man kann von Menschen umgeben sein und sich dennoch einsam fühlen – etwa wenn Interaktionen oberflächlich bleiben oder emotionale Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Soziale Isolation hingegen bedeutet echte Abwesenheit von Kontakten.
Die gute Nachricht: Einsamkeit lässt sich bekämpfen, selbst in Zeiten wie der COVID-19-Pandemie. Experten empfehlen, gezielt positive Beziehungen aufzubauen – eine effektive Präventionsmaßnahme gegen Typ-2-Diabetes.
Warum diese Studie hochaktuell ist
Die COVID-19-Pandemie hat durch Lockdowns eine bestehende "Einsamkeitsepidemie" verschärft. Gleichzeitig sind Menschen mit Vorerkrankungen wie Typ-2-Diabetes besonders gefährdet. "Die Idee zur Studie entstand während des Lockdowns in Großbritannien, als mir die gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit zunehmend bewusst wurden", berichtet Hackett.
Chronische Einsamkeit aktiviert das Stresssystem langfristig und schwächt den Körper, was das Diabetesrisiko steigert, vermuten die Forscher. Wichtig: Die Qualität sozialer Verbindungen verbessern – auch digital – ist entscheidend. Einsame sollten priorisieren: Anrufe bei Freunden, Familie oder Therapeuten, soziale Interaktionen unter Einhaltung von Abständen.