Laut der US-amerikanischen Health Resources and Services Administration (HRSA) fühlen sich zwei von fünf Amerikanern in ihren sozialen Beziehungen nicht wertgeschätzt, während einer von fünf einsam oder sozial isoliert ist. Forscher sprechen von einer "Einsamkeitsepidemie". Eine neue Studie zeigt: Der Rückgang sozialer Fähigkeiten setzt früher ein als gedacht.
Die laufende CogSoCoAGE-Studie an der University of Kent ergab, dass soziale Fähigkeiten bei Erwachsenen bereits Ende 30 und Anfang 40 nachlassen.
Welche sozialen Fähigkeiten gehen verloren?
Soziale Kompetenzen beruhen auf der "Theory of Mind" – der Fähigkeit, andere Menschen zu "lesen" und über sie zu urteilen. Dazu gehören kognitive Fähigkeiten wie Verhaltenskontrolle.
In Einzelgesprächen schauten ältere Erwachsene seltener direkt in die Augen als Jüngere. Augenbewegungen zeigten: Sie blickten stattdessen in den Hintergrund.
"Sie verpassen dadurch eine Fülle an Hinweisen auf Bedeutungen, Absichten und Emotionen", erklärt Heather Ferguson, Ph.D. Das kann zu Missverständnissen oder fehlender Verbindung führen.
Der schwächere Augenkontakt zeigt sich nicht nur in Gesprächen: Ältere Erwachsene meiden es auch, Fremde auf der Straße anzuschauen – was Chancen auf neue Bekanntschaften verringert. "Subtile Veränderungen in der Lebensweise können massiv die soziale Teilhabe beeinträchtigen", betont Ferguson.
Überraschend: Die Fähigkeit, fremde Perspektiven empathisch nachzuvollziehen, bleibt erhalten. Doch Empathie für den sozialen Schmerz anderer nimmt ab.
Frühes Eingreifen könnte helfen: Wissenschaftler empfehlen, tägliche Interaktionen mit Fremden zu fördern. Das erhöht das Verständnis für vielfältige soziale Situationen.
Warum ist das entscheidend?
Weniger soziale Kontakte fördern Einsamkeit und Depressionen – Treiber der Einsamkeitsepidemie. Frühe Intervention ist essenziell.
Die Studie offenbart Probleme schon bei 30- bis 40-Jährigen. Trainingsprogramme für Gehirnfunktion und Wohlbefinden sollten daher früher starten, nicht erst im Ruhestand.
Selbst Introvertierte profitieren von ausgewogener sozialer Aktivität: Sie kann Ängste lindern, die Epidemie eindämmen und das Wohlbefinden steigern.