Azofarbstoffe sind weit verbreitete synthetische Farbstoffe in Lebensmitteln und Textilien. Als erfahrener Ernährungsexperte erkläre ich, warum sie umstritten sind und welche Risiken damit verbunden sind.
Was sind Azofarbstoffe?
Azofarbstoffe gehören zu den synthetischen Farbstoffen, die nicht natürlich vorkommen. Im Gegensatz zu pflanzlichen Farbpigmenten, die schon unseren Vorfahren dienten, wurden sie erst 1856 vom englischen Chemie-Studenten Perkin mit Anilin entdeckt. In den folgenden 40 Jahren folgten 324 weitere Varianten.
Lange Zeit waren Farbstoffe ein Luxusgut. Synthetische Azofarbstoffe revolutionierten dies: Sie sind günstiger, effektiver und langlebiger als natürliche Alternativen. Dadurch wurden natürliche Färbemittel zu Nischenprodukten.
Die Lebensmittelindustrie schätzt Azofarbstoffe wegen ihrer Hitzebeständigkeit und Unabhängigkeit vom pH-Wert. Natürliche Pigmente wie Anthocyane verblassen bei neutralem oder alkalischem pH.
Auch tierische Farbstoffe wie Karmin aus der Cochenilleschildlaus wurden früher genutzt, gelten aber als teuer und nicht vegan. Azofarbstoffe haben sie weitgehend verdrängt.
Warum der Warnhinweis auf Produkten mit Azofarbstoffen?
In der EU sind folgende zehn Azofarbstoffe als Zusatzstoff zugelassen:
- E 102 (Tartrazin)
- E 110 (Gelborange S)
- E 122 (Azorubin)
- E 123 (Amaranth)
- E 124 (Cochenillerot A)
- E 129 (Allurarot AC)
- E 151 (Brilliantschwarz BN)
- E 154 (Braun FK)
- E 155 (Braun HT)
- E 180 (Litholrubin BK)
Sie müssen fettgedruckt in der Zutatenliste angegeben werden. Für E 102, E 110, E 122, E 124 und E 129 gilt zusätzlich: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“.
Diese Kennzeichnungspflicht basiert auf einer 2007-Studie der University of Southampton. Sie zeigte bei 3-jährigen Kindern und 8- bis 9-Jährigen hyperaktives Verhalten und Konzentrationsschwäche nach Verzehr gefärbter Getränke.
Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bewertete dies zurückhaltender: Die Effekte seien nicht eindeutig kausal beweisbar, und kein biologischer Mechanismus sei identifiziert. Die EFSA stimmte zu – eine gesundheitsschädliche Wirkung gilt als nicht erwiesen. Dennoch forderte die EU-Kommission 2010 den Warnhinweis.
Azofarbstoffe und Krebsverdacht: Wie begründet?
Verbraucherschützer vermuten ein Krebsrisiko, da Darmkrebs in Industrieländern häufiger auftritt. Kritisch sind nicht die Stoffe selbst, sondern ihre Abbauprodukte: Im Darm spalten Bakterien sie in aromatische Amine, die das Erbgut schädigen können.
„Die Dosis macht das Gift“: Über Lebensmittel ist die Aufnahme gering. Textilien belasten stärker, doch die EU-Expertenkommission sieht die Alltagsbelastung als minimal an und plädiert für Höchstmengen statt Verbot.
Aus Vorsorgegründen empfehle ich, verarbeitete Lebensmittel mit künstlicher Farbe und schrill gefärbte Textilien zu meiden. Natürliche Alternativen schützen langfristig Ihre Gesundheit.