Als enger Verwandter des klassischen Hafers gilt Nackthafer als besonders nährstoffreich. Erfahren Sie von uns als Ernährungsexperten, was diese Getreidesorte so besonders macht und wie Sie sie vielseitig einsetzen.
Nackthafer im Vergleich zum normalen Hafer: Die entscheidenden Unterschiede
Nackthafer gehört zur Gattung des Hafers und ist eine spezielle Züchtung, bei der das Korn nur locker von einer feinen Spelze umhüllt wird. Im Gegensatz zum herkömmlichen Hafer löst sich die unverdauliche Hülse beim Dreschen vollständig, ohne das Korn zu beschädigen. Bei Spelzgetreiden wie Hafer oder Dinkel muss hingegen entspelzt werden, was das Korn leicht verletzen kann. Nackthaferkörnchen bleiben inklusive Keimling intakt und eignen sich hervorragend zum Keimen – daher auch der Name Sprießkorn.
Trotz seiner Vorteile wird Nackthafer selten angebaut: Er ist anfälliger für Krankheiten und liefert geringere Erträge. Haupt-Anbaugebiete finden sich in Mitteleuropa, wo er ebenso wie in Portugal und Griechenland wild vorkommt.
Nackthafer als Superfood: Die überzeugenden Nährwerte
Nackthafer weist dieselben Grundnährstoffe wie herkömmlicher Hafer auf, jedoch in höheren Konzentrationen. Eine Studie des lettischen Instituts zur Getreidezüchtung aus dem Jahr 2016 belegt: Nackthafer enthält mehr Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Beta-Glucane sowie einen höheren Vitamin-E-Gehalt. Der Kohlenhydratanteil ist dagegen niedriger als bei Standard-Haferflocken.
Beta-Glucane wirken gesundheitsfördernd: Die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention e.V. hebt hervor, dass sie den Blutzuckerspiegel stabilisieren und lange sättigen. Die Harvard T.H. Chan School of Public Health bestätigt zudem ihre Rolle beim Aufbau einer gesunden Darmflora und der Vorbeugung von Verdauungsproblemen. Ballaststoffe fördern das Magen-Darm-System, senken den Cholesterinspiegel und schützen laut DGE vor Zivilisationskrankheiten.
Der Fettgehalt beträgt etwa sieben Gramm pro 100 Gramm – höher als beim normalen Hafer und deutlich über anderen Getreiden. Ungesättigte Fettsäuren sind essenziell für den Körper.
Für 100 Gramm Bio-Nackthafer gibt Davert an:
- Kalorien: 332 kcal
- Kohlenhydrate: 55,7 g
- Protein: 10,7 g
- Fett: 7,1 g
- Ballaststoffe: 9,7 g
Tipp: Wählen Sie immer Bio-Qualität, um Pestizidrückstände zu vermeiden und ökologische Landwirtschaft zu fördern.
So verwenden Sie Nackthafer optimal
Nackthafer lässt sich wie Hafer einsetzen, meist als Haferflocken – roh oder gekocht. Kaufen Sie ganze Körner für Frischkornbrei oder als Beilage: Einweichen in doppelter Wassermenge, dann 45 Minuten köcheln. Natürlich glutenfrei, aber bei Zöliakie auf Kontaminationshinweise achten. Beim Backen fehlt das Klebereiweiß, daher bedingt geeignet.
Ideal als Sprossen: Sie peppen Müsli, Joghurt oder Salate auf. Nackthafer keimt dank intakter Körner perfekt. Gekeimte Körner bieten mehr Vitamine und Mineralien, da sie wenig Phytinsäure enthalten – diese hemmt sonst die Aufnahme. Harvard Medical School betont ihren Vorteil gegenüber Flocken.
Hafersprossen selbst ziehen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Benötigen Sie ein Keimglas (Glas mit Siebdeckel). So basteln Sie eins: Siehe unser Keimglas-Ratgeber.
- Füllen Sie zwei Esslöffel ganze Körner ein. Prüfen Sie auf Beschädigungen – eine halbe Tasse ergibt ca. eine Tasse Sprossen.
- Spülen Sie mit kaltem Wasser, schwenken und abgießen.
- Füllen Sie dreifaches Volumen Wasser auf, weichen Sie 5 Stunden bei 18–20 °C ein.
- Wasser abgießen, erneut spülen.
- Kopfüber an hellem Ort (keine direkte Sonne) 2 Tage lagern, 2x täglich spülen.
- Nach 2–3 Tagen essfertig. Im Kühlschrank 2 Tage haltbar.