Der Reisanbau gerät zunehmend in die Kritik wegen seiner umweltbelastenden Ökobilanz – vor allem durch hohen Wasserverbrauch und Methanemissionen. Als Experten für nachhaltige Ernährung erklären wir Ihnen, wie der Anbau funktioniert und worauf Sie beim Einkauf achten sollten, gestützt auf Daten von FAO, IRRI und anderen renommierten Quellen.
Südostasien: Das Herz des globalen Reisanbaus
Reis ist Basisnahrung für über 3,5 Milliarden Menschen und neben Mais und Weizen eine der drei wichtigsten Getreidesorten weltweit, wie die FAO bestätigt. Der Anbau hat erhebliche Klimafolgen.
Rund 90 Prozent der weltweiten Produktion entfallen auf Süd- und Südostasien, mit China und Indien als Spitzenreiter. Laut Observatory of Economic Complexity (OCE) dominieren Indien und Thailand den Export.
Auch in den USA, Lateinamerika, Afrika und Europa wird Reis gebaut. In Europa führen Spanien, Italien und Frankreich, mit Sorten wie:
- Spanien: Bomba-Reis (für Paella)
- Italien: Arborio-Reis, Jasminreis und Venusreis (hauptsächlich Piemont)
- Frankreich: Roter Reis aus der Camargue
So funktioniert der Reisanbau
Der Nassreisanbau dominiert. Bewässerung nutzt natürliche Überschwemmungen oder künstliche Systeme. Etwa 75 Prozent der globalen Ernte basieren auf Letzterem, wie Ferrero und Tinarelli in ihrem Buch "Pesticide Risk Assessment in Rice Paddies" beschreiben. Das stehende Wasser schützt natürlich vor Unkraut und Schädlingen.
Der Trockenreisanbau ist arbeitsintensiver, ertragärmer und erfordert mehr Dünger und Pestizide, spart aber Wasser und Methan. Dennoch bleibt er selten.
Nassreisanbau im Detail:
In Asien oft handwerklich:
- Samen werden auf trockenem, gepflügten Feld ausgesät.
- Setzlinge werden manuell oder maschinell ins Feld gepflanzt.
- Felder stehen dauerhaft unter Wasser, bis drei Wochen vor Ernte trockengelegt.
- Der Zyklus dauert 5–6 Monate.
Ernte und Verarbeitung
Ernte 1–3 Mal jährlich, je nach Sorte und Lage. Nach Dreschen und Trocknen entfernt eine Mühle die Spelzen; brauner Reis bleibt. Häufig folgt Polieren zu weißem Reis – haltbarer, aber nährstoffärmer.
Umweltauswirkungen des Reisanbaus
Wasserverbrauch
Pro Kilo Reis im Nassanbau: 2.000–5.000 Liter Wasser (öko-fair). Künstliche Systeme senken Grundwasserstände und verbrauchen Energie.
Methanemissionen
Nassfelder verursachen 10 Prozent der anthropogenen Methanemissionen (IRRI). Methan ist 21-mal potenter als CO₂ (Max-Planck-Gesellschaft). Anaerobe Zersetzung in Fluten erzeugt es; Trockenphasen reduzieren das. Spelzenverbrennung setzt CO₂ frei.
WWF-Daten: Reis emittiert 6,2 kg CO₂-Äquivalente pro kg – mehr als Kartoffeln (0,62 kg), Milch (1,76 kg) oder Geflügel (4,22 kg).
Weitere Risiken
Hohe Arsenwerte durch stehendes Wasser und belastetes Grundwasser. Konventioneller Anbau nutzt viele Pestizide, schadet Umwelt, Gesundheit und lokaler Fischerei.
Nachhaltigen Reis wählen: Unsere Tipps
- Fairtrade-Reis: Garantiert faire Löhne und Bedingungen. Transparente Herkunftsangaben sind entscheidend.
- Bio-Reis: Vermeidet synthetische Pestizide, schützt Bauern und Umwelt.
- Europäischer Reis: Kürzere Transportwege, strengere Standards.
- Trockenreis: Weniger Methan und Wasser, z. B. österreichischer "ÖsterReis" oder Schweizer "Terreni alla Maggia". Nur bio kaufen, da sonst mehr Pestizide.
- Alternativen: Regionale Kartoffeln, Getreide wie Dinkelreis oder Linsen/Hülsenfrüchte (WWF).
Empfohlene Anbieter für fairen, ökologischen Reis:
- Österreichischer Reis von SO-Fröhlich (Online-Shop)
- Davert (Demeter-Bio)
- Rii Jii (Supermarkt/Online, teils EU-Anbau)
- Fairtrade Original (Supermarkt)
- El Puente (Weltladen/Online)
- Keimster (gekeimter Bio-Reis aus Italien, Online)
Fortschritte im nachhaltigen Reisanbau
Die Sustainable Rice Platform (SRP) setzt Standards: Bis 50 % weniger THG, 20 % weniger Wasser, weniger Pestizide (GIZ). Beteiligt: Forschung, Firmen wie OLAM, GIZ, UNEP. Zertifizierter Reis, z. B. bei Uncle Ben’s.
Weitere Initiativen: Thai Rice NAMA, Anti-Methan-Forschung.
Herausforderungen: Viele Kleinbauern priorisieren Überleben; fehlendes Bewusstsein. Konsumenten sollten Reis wie Palmöl sensibilisieren.