Wenn das Wetter warm wird, ist ein Besuch im Freibad und ein erfrischendes Bad unschlagbar. Auch in kühleren Monaten bietet Schwimmen in Hallenbädern pure Entspannung und exzellentes Training.
Während der ersten COVID-19-Wellen galt der Pool als relativ sicherer Ort. Verändert die ansteckendere Delta-Variante das Bild? Dr. Joseph Khabbaza, Facharzt für Lungen- und Intensivmedizin an der Cleveland Clinic, gibt ein fundiertes Update zur Schwimmsicherheit.
Was macht die Delta-Variante anders?
Die Delta-Variante von COVID-19 ist deutlich ansteckender und leichter übertragbar. „Bei Delta reicht weniger enger, anhaltender Kontakt zur Ansteckung“, erklärt Dr. Khabbaza. „Früher gingen wir von 10 bis 15 Minuten aus – nun ist es kürzer, da infizierte Personen mehr Viruspartikel abgeben und es stärker an den oberen Atemwegen haftet.“
Genau deshalb ist die Impfung entscheidend, betont der Experte. „Geimpft sinkt das Risiko exponentiell. Ungeimpft zu bleiben, ist derzeit der riskanteste Faktor – selbst vor Delta war das in einer Pandemie hochgefährlich.“
Die gesundheitlichen Vorteile von Sport sind unbestritten, doch wo Sie trainieren, macht den Unterschied. „Outdoor-Aktivitäten sind generell sicherer als Indoor, besonders bei ansteckenderen Varianten“, sagt Dr. Khabbaza. „Delta vermehrt sich stärker in Nase und Mund, sodass weniger Exposition für eine Übertragung reicht.“
Kennen Sie Ihre Umgebung und die Menschen darin, können Sie Risiken besser einschätzen. „In kommunalen Bädern hilft es, lokale Infektions- und Impfraten zu prüfen“, rät Dr. Khabbaza. „Das Virus breitet sich durch Tröpfchen oder Aerosole von Mensch zu Mensch aus. Vermeiden Sie engen, längeren Kontakt mit Unbekannten – wie durchgängig in der Pandemie empfohlen.“
Ist Schwimmen sicher?
Einfach ins Wasser springen, um abzuhärten oder zu trainieren, ist unbedenklich. „COVID-19 wird nicht wasserübertragen“, versichert Dr. Khabbaza. „Das Virus überlebt nicht im Wasser und breitet sich dort nicht aus.“
Außenpools sind sommers idealer als Hallenbäder. Wie bei anderen Aktivitäten zählt der Abstand: Größere Pools mit Platz reduzieren Risiken.
Drängen Sie schulter an Schulter in einem überfüllten Becken, hören Musik und plaudern, ähnelt das indoorigen Events. „Vollgedrängte kleine Becken mit Singen und Lachen erzeugen mehr Tröpfchen“, warnt der Mediziner.
Bewegung schützt: „Beim Sport- oder Freischwimmen sind Sie ständig in Bewegung, ohne engen Kontakt“, erklärt Dr. Khabbaza. „Das ist risikoarm, vergleichbar mit Vorbeigehen im Supermarkt. Bahnen-Schwimmen mit schwerer Atmung birgt etwas mehr Risiko, aber nur bei längerem Stehenbleiben und Reden.“
Welche Schutzmaßnahmen außerhalb des Wassers?
Abstand halten und maskieren – außer im Wasser, wo Masken unpraktisch sind. „In Umkleiden, bei Snacks oder auf dem Beckenrand: Abstand und Maske bieten Extra-Schutz“, rät Dr. Khabbaza. „Vorsicht schadet nie, erst recht wenn sie Freizeit ermöglicht, die Sie vermisst haben.“
Viele Pools fordern Masken auf Decks, ergänzt durch Abstand. „Maske allein hilft gut, mit Abstand besser – ideal mit Impfung“, sagt der Experte. „Jede Schicht erschwert dem Virus den Weg. Die Impfung ist jedoch die wichtigste.“
Oberflächenübertragung müssen Sie weniger fürchten. „Intensives Desinfizieren war anfangs übertrieben. Kontaktübertragung ist möglich, erfordert aber eine Kette unglücklicher Umstände“, erklärt Dr. Khabbaza.
Welche Maßnahmen für Pool-Betreiber?
Desinfektionsstärke im Wasser ist entscheidend, betont Diane Weaver, Aquatics-Managerin bei Cleveland Clinic Akron General LifeStyles – Stow. „Chlor und pH balancieren Desinfektion und Hautverträglichkeit. Ihr Körper sollte sich natürlich fühlen.“
Fragen Sie nach: „Chlorwert? Desinfektionsart?“ Weaver: „95 % der Pools nutzen Chlor.“ Seit Pandemie mindestens 3 ppm, normal 2 ppm. Unter 2 ppm: Meiden!
Nutzen Sie eigenes Equipment (Brille, Flossen), fragen Sie nach Desinfektion. Weniger geteilte Ausrüstung ist sicherer.
Tötet Chlor COVID-19?
Keine wissenschaftlichen Daten dazu. Chlor dient der allgemeinen Hygiene. Pools konzentrieren sich auf bewährte Maßnahmen.
2020 rüstete Stow LifeStyles um: Desinfektionsstationen, berührungslose Türen, eigenes Equipment, Abstandsregeln in Umkleiden, Stuhl pro Bahn, kein Schwärmen am Bahnenende. Lifeguards mit eigenem Rettungszeug.
„Wir wussten, was kommt, hörten auf Ängste und passten an“, sagt Weaver.
Vorsicht ist in einer Pandemie nie verkehrt
Schwimmsicherheit hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab, fasst Dr. Khabbaza zusammen. „Bei Nervosität nach Unbekannten-Kontakt: Vermeiden. Fühlt sich voll an? Gehen Sie.“
Bei Unbehagen: Maske oder Brillenschutz. „In einer Pandemie bereut man Über-Vorsicht nie.“