Das Sachs-Hornbostel-System (kurz H-S-System) ist die weltweit anerkannte Methode zur Klassifizierung akustischer Musikinstrumente. Entwickelt 1914 von den renommierten Musikwissenschaftlern Curt Sachs (1881–1959) und Erich Moritz von Hornbostel (1877–1935), basiert es auf der Art der Schwingungserzeugung – unabhängig von kulturellen Grenzen.
Curt Sachs, ein Pionier der Instrumentengeschichte, und Hornbostel, Experte für außereuropäische Musik, schufen trotz anfänglicher Skepsis ein robustes Schema, das bis heute in Museen und Sammlungsprojekten Standard ist. Es umfasst fünf Hauptkategorien: Idiophone, Membranophone, Chordophone, Aerophone und Elektrophone – und eignet sich hervorragend auch für nicht-westliche Instrumente.
Idiophone
Idiophone erzeugen Klang durch Vibration eines festen Materials wie Holz, Stein oder Metall. Die Unterteilung erfolgt nach der Anregungsmethode:
- Aufschlagidiophone (früher oft als "Gehirnerschütterung" bezeichnet): Paare wie Becken oder Kastagnetten werden gegeneinander geschlagen.
- Reibidiophone: Klang durch Reibung, z. B. die musikalische Brille mit feuchten Fingern am Glasrand.
- Schlagidiophone: Xylophone, Triangeln, Glocken, Gongs oder Stahltrommeln werden geschlagen.
- Zupfidiophone (Lamellophone): Maultrommel, bei der die Zunge gezupft wird.
- Kratzidiophone: Zahnrasseln oder Waschbretter.
- Schüttelidiophone: Maracas, erfunden von Puerto-Rico-Indianern.
- Stampfidiophone: Steppschuhe oder irische Clogs auf harter Oberfläche.
- Stempelidiophone: Klang durch eigenes Material beim Stampfen.
Membranophone
Hier vibriert eine gespannte Membran oder Haut. Klassifiziert nach Form:
- Kesseltrommeln: Abgerundet, stimmbar oder nicht, mit Schnüren, Nägeln oder Kleber fixiert; per Hand oder Schlägel bespielt.
- Rohrtrommeln: Fass-, zylinder-, konenförmig usw., ähnlich bespannt und bespielt.
- Reibtrommeln: Membran vibriert durch Reibung mit Kabel oder Stab, nicht stimmbar.
- Mirlitons: Keine echten Trommeln; Stimme moduliert die Membran, z. B. Kazoo.
- Weitere: Rahmentrommeln (Tamburine), Topf- oder Bodentrommeln.
Chordophone
Klang durch schwingende Saiten, verstärkt vom Resonator. Fünf Typen nach Saiten-Resonator-Bezug:
- Musikalische Bögen: Saiten über Holz gebogen, mit/ohne Resonator.
- Harfen: Saiten quer zum Resonator, gezupft/geschrammt.
- Leiern: Saiten via Querstange, gestrichen/gezupft.
- Lauten: Mit Hals, Saiten über Resonator, gestrichen/gezupft.
- Zithern: Saiten über Brett ohne Hals, gezupft/angeschlagen.
Unterkategorien nach Spielweise: Bogen (Violine, Bratsche, Kontrabass); Zupfen (Gitarre, Banjo, Harfe); Anschlagen (Klavier, Hackbrett).
Aerophone
Schall durch schwingende Luftsäule (Blasinstrumente), vier Typen:
- Lippenblasinstrumente: Messingbläser wie Trompete, Posaune; Lippen vibrieren ins Mundstück.
- Zungenblasinstrumente: Klarinette/Saxophon (Einzelrohrblatt), Oboe/Fagott (Doppelrohrblatt), Flöten (Kantensblasen).
- Freie Zungen: Akkordeon-ähnlich, Tonhöhe per Zungengröße.
- Freie Aerophone: Bullroarer, Peitsche – Luft außerhalb vibriert.
Elektrophone
Elektronisch erzeugt oder verstärkt: Synthesizer, Theremin, E-Gitarre, E-Klavier.
Quellen:
- Oliver P. 1988. Musikethnologische Zugänge zu Musikinstrumenten. Popmusik 7(2):216-218.
- Weisser S. und Quanten M. 2011. Musikinstrumentenklassifikation neu denken: Zu einem modularen Ansatz für das Hornbostel-Sachs-System. Jahrbuch für traditionelle Musik 43:122-146.