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Das Kunstlied: Geschichte, Merkmale und Meisterwerke der romantischen Vokalmusik

Das Kunstlied ist eine anspruchsvolle Gattung weltlicher Vokalmusik mit Wurzeln im Mittelalter. Bereits in Shakespeares England verbanden elisabethanische Komponisten wie John Dowland Poesie und Musik in Madrigalen und anderen Formen der englischen Renaissance.

In der Romantik des 19. Jahrhunderts erlebte das Kunstlied in Europa seinen Höhepunkt und gilt als Markenzeichen dieser Epoche. Ein Kunstliederabend ist eines der formstrengsten Konzertformate: Ein eleganter, hochqualifizierter Sänger präsentiert begleitet vom Pianisten eine Auswahl thematisch verbundener Lieder.

Eigenschaften des Kunstlieds

Kunstlieder zeichnen sich aus durch:

  • Ein kurzes Stück für Solostimme;
  • Gedichte hoher literarischer Qualität, entweder durchkomponiert (jede Strophe mit neuer Melodie) oder strophisch (alle Strophen zur gleichen Melodie);
  • Virtuose Klavierbegleitung;
  • Höchste künstlerische und poetische Standards;
  • Ein abschließendes Nachspiel am Klavier.

Ein Zyklus verwandter Lieder, vereint durch ein gemeinsames Thema, heißt Liederkreis oder Liederzyklus. Bekannte Beispiele sind Antonín Dvořáks „Cypress Trees“ und Hector Berlioz’ „Les nuits d'été“.

Mittelalterliche Wurzeln: Das deutsche Kunstlied

Im Deutschen bekannt als Lied (Plural: Lieder), waren frühe Formen monophon mit einer einzigen Melodielinie. Die ältesten erhaltenen Manuskripte stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Ab dem 14. Jahrhundert dominierten polyphone Lieder mit mehreren Stimmen, die im 16. Jahrhundert ihren Zenit erreichten. Begleitet werden sie oft von Kammerensembles oder Orchestern.

Seit dem 15. Jahrhundert war es üblich, polyphone Lieder umzuarbeiten – von leichten Anpassungen bis hin zu neuen Kompositionen, die alte Melodien sampelten, um innovative Werke für geistliche und weltliche Kontexte zu schaffen.

Romantisches Revival

Nach dem 16. Jahrhundert geriet das Genre in Vergessenheit, bis es im 19. Jahrhundert triumphal wiederauflebte. Dichter wie Goethe inspirierten Komponisten: Johannes Brahms schuf rund 300 Lieder, Franz Schubert über 650, darunter „Der Tod und das Mädchen“, „Gretchen am Spinnrad“, „Die kleine Heiderose“, „Der Erlkönig“ und „Die Forelle“ sowie Zyklen wie „Winterreise“. Robert Schumann vertonte 160 Lieder in fünf Zyklen, Hugo Wolf etwa 300, viele posthum veröffentlicht.

Quellen:

  • Meconi H. 1994. Art-Song Reworkings: An Overview. Zeitschrift der Royal Musical Association 119(1):1-42.
  • Neher E. 2011. Der Kunstlied-Rezital im Rückblick. The Hudson Review 64(2):325-330.
  • Whitner ME. 1957. Das moderne Kunstlied in englischer Sprache. Amerikanischer Musiklehrer 6(4):2-23.