Als MTV 1981 startete, fehlten Videos schwarzer Künstler weitgehend im Programm. Das Netzwerk zeigte Afroamerikaner so selten, dass Rick James und David Bowie öffentlich protestierten. Heute feiert MTV Stars wie Beyoncé, Jay-Z und Kanye West – doch die rocklastige Frühgeschichte lässt sich nicht leugnen.
Wie gelangte MTV von der Ausgrenzung afroamerikanischer Musiker in den 1980er Jahren zu ihrer routinemäßigen Präsenz im Rampenlicht? Eine knappe Chronik der Fortschritte des Senders im Umgang mit Rassismusfragen gibt Aufschluss.
Schloss MTV schwarze Videos aus?
Beim Debüt von MTV am 1. August 1981 war zumindest ein schwarzes Gesicht präsent: J.J. Jackson, der einzige Afroamerikaner unter den Videojockeys (VJs).
Trotz Jacksons Rolle bis 1986 geriet MTV wegen knapper Sendezeit für Videos mit schwarzen Künstlern in die Kritik. Führungskräfte wiesen Rassismusvorwürfe zurück und argumentierten, schwarze Musik passe nicht zum rockbasierten Format.
Bei wenigen schwarzen Rockern sei die Integration schwierig, erklärte Mitbegründer Les Garland in einem Interview mit Jet.
Ein Künstler wie Michael Jackson hatte mit „Don’t Stop ’Til You Get Enough“ aus dem Album Off the Wall (1979) bereits ein Video produziert. Würde MTV es spielen, wenn das Label nachhakte?
Wie Michael Jackson MTV veränderte
Es brauchte Druck, bis MTV „Billie Jean“ aus Jacksons Album Thriller (1982) spielte. Die Single toppte sieben Wochen die Billboard Hot 100 ab dem 2. Januar 1983. CBS-Präsident Walter Yetnikoff drohte angeblich, alle CBS-Videos zurückzuziehen, worauf MTV zustimmte.
Garland widersprach in Jet: Kein Zögern, MTV spielte es direkt nach Vorführung.
Unbestritten: „Billie Jean“ als erstes stark gerotetes Video eines schwarzen Künstlers öffnete Türen für andere.
Es ebnete den Weg für das 14-minütige Video „Thriller“, das teuerste seiner Zeit, uraufgeführt am 2. Dezember 1983. Als Heimvideo wurde es zum Rekord-Bestseller.
Rock tritt zurück
In den 1980ern dominierten Michael Jackson, Prince und Whitney Houston Pop- und R&B-Charts. Parallel avancierte Hip-Hop.
Filme wie „Beat Street“ und „Krush Groove“ huldigten der Szene. MTV folgte mit „Yo! MTV Raps“ am 6. August 1988 – der ersten Hip-Hop-Show überhaupt (USA Today; BETs „Rap City“ folgte 1989).
„Yo! MTV Raps“ lief sieben Jahre und führte zu „MTV Jams“ (1996), fokussiert auf urbane Musik.
MTVs Rockwurzeln verblassten: Pop, Hip-Hop, R&B und Boybands eroberten das Publikum, während Rock nach Grunge erstarrte.
Schwarze VJs
MTV präsentierte von Anfang an afroamerikanische VJs wie J.J. Jackson. Weitere: Downtown Julie Brown, Daisy Fuentes, Idalis, Bill Bellamy, Ananda Lewis. In „Real World“ castet MTV divers, wenn auch teils stereotyp.
Cartoon-Kontroverse
Trotz Fortschritten: 2006 löste ein Cartoon schwarzer Frauen als „Eckzähne“ (hockend, mit Stuhlgang) Empörung aus. Präsidentin Christina Norman (schwarz, 2005–2008) verteidigte es als Parodie auf Snoop Dogg.
Aktivisten kritisierten Rassismus und Sexismus – doch eine schwarze Frau leitete MTV. Dies unterstreicht Lernprozesse und Vielfalt on- und off-air.
Programme gegen Vorurteile
2014 untersuchte MTV mit David Binder Research Vorurteile bei Millennials und launchte Look Different für Inklusion.
2015 kündigte VP Ronnie Cho Anti-Vorurteils-Initiativen an, inklusive Premiere von White People (22. Juli 2015): Pulitzer-Preisträger Jose Antonio Vargas spricht mit weißen Millennials über Privilegien und Rasse.