Seit seinem Start vor über 30 Jahren hat das Hubble-Weltraumteleskop unzählige Geheimnisse des Universums enthüllt und eine beeindruckende Sammlung kosmischer Meisterwerke geschaffen. Als Experten für Astrophysik und langjährige Beobachter von Hubbles Erfolgen haben wir die Archive durchforstet und acht außergewöhnliche Bilder ausgewählt, die selbst Kenner verblüffen werden. Diese Aufnahmen stammen aus der renommierten NASA/Hubble Heritage-Sammlung und demonstrieren Hubbles unvergleichliche Schärfe und Vielseitigkeit.
Schleiernebel

Supernova-Explosionen hinterlassen oft farbenprächtige Gaswolken als Überreste – der Schleiernebel erstreckt sich über 110 Lichtjahre. Hubble fotografierte ihn erstmals 1997 und kehrte 2015 zurück. Dank des aufgerüsteten Weitwinkel- und Planetenkameras enthüllt das Bild feinste Gasfäden in höchster Auflösung.
Die Explosion ereignete sich vor rund 8.000 Jahren und die Wolke dehnt sich weiter aus. Der Vergleich der Bilder über 18 Jahre zeigt diese Dynamik und hilft Astronomen, die Evolution solcher Nebel zu verstehen.
Pismis 24

Pismis 24 ist ein Sternhaufen im Nebel NGC 6357, voller junger Protosterne, die in dichten Staubwolken heranwachsen. Hubbles panchromatische Fähigkeiten – von UV bis Infrarot – durchdringen diesen Staub und offenbaren Geburtsstätten neuer Sterne.
"Hubble eignet sich hervorragend für UV-, sichtbare und Infrarot-Beobachtungen, von der Sonnensystem-Aktivität bis zu fernen Galaxien", erklärt Jennifer Wiseman, leitende Projektwissenschaftlerin beim Hubble-Teleskop. Der hellste Stern Pismis 24-1 wiegt schätzungsweise nur 100 Sonnenmassen, nicht 300 wie früher angenommen.
Blasennebel

Der Blasennebel (NGC 7635) entstand durch den Sternenwind eines 45-fachen Sonnenmassen-Sterns, der Gas mit 6,5 Millionen km/h ausstößt. Die expandierende Wolke prallt auf das interstellare Medium, erzeugt Schockwellen und lässt die Blase glühen.
Die asymmetrische Form resultiert aus dichterem, kühlerem Medium oben links, das die Ausdehnung hemmt.
Herbig-Haro-Jet

Herbig-Haro-Jets sind hochgeschwindigkeitsauswürfe junger Sterne aus protoplanetaren Scheiben, getrieben durch Magnetfelder. Die Stoßfronten erzeugen leuchtende Strahlen im interstellaren Medium.
Hubbles Präzision deckt diese Jets detailliert auf und erlaubt Langzeitbeobachtungen: Treffen auf Gasknoten lassen sie aufleuchten und verblassen. "30 Jahre sind astronomisch kurz, doch wir haben Filme von Sternauswürfen – ein Durchbruch jenseits statischer Bilder", sagt Jennifer Lotz, Direktorin des Gemini Observatory.
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NGC 5033

Die Spiralgalaxie NGC 5033 ähnelt unserer Milchstraße mit 100.000 Lichtjahren Durchmesser und einem supermassiven Schwarzen Loch im Kern (10 Millionen bis Milliarden Sonnenmassen). Im Gegensatz zur Milchstraße ist es aktiv: Eine rotierende Gasscheibe überhitzt und leuchtet als aktiver galaktischer Kern.
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Hubble hat Hunderte solcher Löcher kartiert, indem es Staubbewegungen misst. "Supermassive Schwarze Löcher prägen fast jede Galaxie und ihre Entwicklung", betont Lotz.
Fomalhaut

Vor Hubble kannten wir nur Sonnensystem-Planeten; heute Tausende Exoplaneten. "Hubble excelliert bei detaillierten Follow-ups", sagt Wiseman. Um Fomalhaut entdeckte es einen Staubring (20 Milliarden km Durchmesser) und per Zeitraffer den ersten direkt abgebildeten Exoplaneten im sichtbaren Licht.
Gravitationslinseneffekt

Galaxienhaufen verzerren Raumzeit und biegen Licht zu Linsen – sie vergrößern ferne Galaxien. Blaue Bögen auf dem Bild sind linsenverzerrte Objekte, Schlüssel zur Dunklen Materie.
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"Dunkle Materie dominiert Cluster; Hubbles Linsenmessungen kartieren ihre Verteilung", erklärt Wiseman. Die blaue Karte rechts zeigt sie.
Kollision von Galaxien

Galaxienkollisionen fördern Sternentstehung: Gaswirbel bilden Kinderstuben. Hier haben zwei Spiralen nahe vorbeigezogen, Arme verzerrt und blaue Sternentstehungsregionen erzeugt.
Hubbles UV-Sicht jenseits der Atmosphäre ist einzigartig für junge, heiße Sterne.
- Erstveröffentlichung in BBC Science Focus Magazine, Ausgabe 348
- Alle Bilder © NASA/Hubble Space Telescope Heritage Team