Proben sammeln
Forensik: Tatort-Ermittler sichern biologisches Material wie Blut, Sperma, Haare oder Hautzellen. DNA zerfällt mit der Zeit – unter idealen Bedingungen bei -5 °C beträgt die Halbwertszeit 521 Jahre. Hitze, Licht, Feuchtigkeit und Sauerstoff beschleunigen den Abbau. Die Erhaltung hängt von der Lagerung ab. Die älteste bekannte DNA stammt aus grönländischem Eis und ist 450.000 bis 800.000 Jahre alt.
Privatnutzer: Bei Direct-to-Consumer-Anbietern wie 23andMe, Ancestry oder MyHeritage bestellen Nutzer für ca. 100 £ ein Testkit. Sie spucken in ein Röhrchen oder reiben die Wangeninnenseite aus und versenden die Probe. Nach 4–8 Wochen erhalten sie online einen Bericht zu ihren genetischen Varianten.
2DNA analysieren
Forensik: DNA wird in Fragmente zerlegt und auf Genotypisierungs-Chips aufgetragen. Diese Chips haben bis zu 700.000 Mikrovertiefungen mit Sonden zu spezifischen genetischen Varianten. Passende Fragmente werden fluoreszierend markiert, damit Computer die DNA-Sequenzen lesen kann.
Privatnutzer: Unternehmen verwenden unterschiedliche Chips je nach priorisierten Varianten. Nutzer können ihre Genotypen als Textdatei herunterladen und auf Plattformen wie GEDmatch hochladen, einer durchsuchbaren Genealogie-Datenbank.
3Datenbanken durchsuchen
Forensik: Das DNA-Profil des Unbekannten wird mit Profilen in öffentlichen Datenbanken wie GEDmatch abgeglichen. Jeder Genotyp ist ein Single Nucleotide Polymorphismus (SNP) an einer von 700.000 variablen Positionen. Die gemeinsamen SNPs messen die genetische Ähnlichkeit.
Privatnutzer: Exakte Treffer sind selten. Eine Person teilt 50 % DNA mit Eltern, 25 % mit Groïeltern. Pro Generation halbiert sich der Anteil: Erstgrad-Cousins 12,5 %, Zweitgrad 3,125 %. Genetische Ähnlichkeit zeigt Verwandtschaft, nicht die genaue Beziehung – 50 % könnte Elternteil oder Geschwister bedeuten. Bei Fünftgrad-Cousins sinkt sie auf 0,05 %.
4Stammbäume aufbauen
In einer Datenbank mit einer Million Profilen wie GEDmatch sind enge Verwandte selten, doch Dutzende Dritt- oder Viertgrad-Cousins wahrscheinlich – ihre DNA-Ähnlichkeit ist noch erkennbar.
Erfahrene genetische Genealoginnen wie CeCe Moore bauen Stammbäume mit traditionellen Methoden: Namensüberprüfung, Volkszählungen, Sterbeurkunden, Geburts- und Heiratsregister sowie Befragungen. Soziale Netzwerke ergänzen dies. Bestätigte Cousin-Verbindungen führen rückwärts zu gemeinsamen Vorfahren. Vorwärts erweitern sie zu lebenden Verwandten – Moores 'umgekehrte Genealogie', oft via Triangulation erfolgreich.
5Verdächtige eingrenzen
Behörden wie Polizei oder FBI prüfen konventionell, bevor sie zuschlagen. Beim Golden State Killer halfen Drittgrad-Cousins (unter 1 % Ähnlichkeit): Eliminierung nach Merkmalen (ca. 1,75 m, 75 kg) führte zu Joseph DeAngelo.
Alle Puzzleteile passen: In Moores erstem Fall zeigten GEDmatch-Treffer (je 3 % Ähnlichkeit) Zweitgrad-Cousins aus verschiedenen Linien – Triangulation identifizierte William Talbott II.