- Verhaltensforscher mahnen: Massentests könnten potenziell infizierte Personen dazu verleiten, negativ Getesteten zu folgen und Isolation zu unterlaufen.
- Sie fordern ein sorgfältiges Testmanagement, um weitere Ausbrüche zu verhindern.
- Die WHO empfiehlt Tests und Isolation als effektivste Maßnahme gegen COVID-19-Infektionen.
Als renommierte Experten im Bereich Verhaltenswissenschaften warnen Professor Madelynne Arden von der Sheffield Hallam University und Professor Christopher Armitage von der University of Manchester vor negativen Auswirkungen öffentlicher Massentests auf Coronavirus. In einem Schreiben an Englands Chief Medical Officer Chris Whitty, Gesundheitsminister Matt Hancock und weitere Entscheidungsträger äußern sie fundamentale Bedenken.
Die Forscher sehen ein hohes Risiko, dass Personen mit wahrscheinlicher Immunität nach einer Infektion ins normale Leben zurückkehren und von anderen nachgeahmt werden, die negativ getestet wurden oder gar nicht testen ließen.
In ihrer E-Mail heißt es: „Die Nachricht, dass Heim- oder Gemeindetests auf COVID-19 bald möglich sein werden, klingt zunächst positiv. Als Familie mit leichten Symptomen würden wir diesen Test gerne nutzen, um unsere Immunität zu bestätigen.“
„Als HCPC-registrierte Gesundheitspsychologen und Verhaltenswissenschaftler sind wir jedoch sehr besorgt über die potenziellen Auswirkungen auf die Einhaltung öffentlicher Gesundheitsmaßnahmen wie Zuhausebleiben und sozialer Isolation.“ Sie betonen: „Falls diese Risiken bereits geprüft wurden, entschuldigen wir die Störung – doch wir fühlten uns verpflichtet, darauf hinzuweisen.“
Eine weitere Gefahr: Menschen, die die Isolation leid sind, könnten vorgeben, infiziert gewesen zu sein, um auszugehen. Leicht verfügbare Community-Tests könnten soziale Isolation schwächen und die Ausbreitung von COVID-19 begünstigen.
Die Experten unterstreichen die Rolle sozialer Normen: Am Wochenende vom 21./22. März ignorierten viele trotz behördlicher Aufrufe Abstandsregeln, da sie andere unterwegs sahen – „Wenn andere es tun, ist es sicher.“

Das Schreiben plädiert nicht gegen Massentests, sondern für präzise Planung, um solche Effekte zu vermeiden. Es ging auch an Schattengesundheitsminister Jon Ashworth, Public Health England-CEO Duncan Selbie und weitere Pandemie-Experten.
Trotz dieser Warnungen rät die WHO uneingeschränkt zu Massentests: „Der effektivste Weg, Infektionen zu stoppen und Leben zu retten, ist, Übertragungsketten durch Tests und Isolation zu unterbrechen“, sagte Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Testen, testen, testen – ohne zu wissen, wer infiziert ist, können wir die Pandemie nicht bekämpfen.“