Ein gezieltes nationales Screening-Programm für genetisch vorbelastete Männer – mit Bluttest, MRT und gezielter Biopsie – könnte laut einer neuen UCL-Studie bis zu 16 Prozent der Prostatakrebs-Todesfälle verhindern, also jeden sechsten Fall.
Es reduziert zudem Überdiagnosen erheblich, betonen die Experten.
Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Täglich werden im Vereinigten Königreich etwa 130 neue Fälle diagnostiziert, und über 10.000 Männer sterben jährlich daran.
Derzeit gibt es kein nationales Screening-Programm. Bei Verdacht erfolgt ein PSA-Bluttest auf erhöhte prostataspezifische Antigene.
Nach NICE-Richtlinien empfiehlt sich vor der Biopsie ein MRT-Scan für alle mit positivem PSA-Test.
UCL-Forscher ergänzen dies durch neu entdeckte genetische Marker, die das Risiko vorhersagen. Ein polygener Gentest identifiziert Hochrisiko-Personen und optimalen Screening-Zeitpunkt.
„Unsere Studie zeigt, dass ein Screening – das 16 bis 20 Prozent der Todesfälle einsparen könnte – durch genetische Risikobewertung und MRT machbar ist“, erklärt Co-Autor Professor Mark Emberton, UCL-Dekan der Medizinischen Fakultät. „Dies eröffnet Türen für klinische Studien.“

„Prostatakrebs ist eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Männern“, sagt Hauptautor Dr. Tom Callender von der UCL Division of Medicine. „Ohne Screening überwiegen bisher die Risiken. Hochrisiko-Personen profitieren jedoch am meisten, mit weniger Schaden.“
In dieser Nutzen-Schaden- und Kostenwirksamkeitsanalyse verglichen wir vierteljährliches PSA-Screening für alle Männer (55–69 Jahre) mit risikobasiertem Ansatz (Alter + polygener Score). Zudem wurde der Effekt von MRT vor Biopsie geprüft.
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Die Modellstudie simulierte 4,5 Millionen Männer (55–69 Jahre in England) für altersbasiertes vs. risikobasiertes Screening.
Altersbasiert: Jeder vier Jahre PSA, bei positiv MRT/Biopsie.
Risikobasiert: PSA (ggf. MRT/Biopsie) bei überschrittenem Risikoschwellenwert (Alter + Genetik).
Ergebnisse verglichen: Kein Screening, universell altersbasiert, risikobasiert.
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Optimal: Screening bei 3,5 % 10-Jahres-Risiko (ca. Hälfte der Männer). Verhindert 16 % Todesfälle, reduziert Überdiagnosen um 27 % – und ist kostengünstiger.
Universelles Screening spart 20 % Todesfälle, risikobasiertes jedoch fast gleich viele, bei einem Drittel weniger Überdiagnosen und Biopsien.
Die Studie, publiziert in JAMA Network Open, entstand mit University of Cambridge-Forschern.