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Freilaufende Haustierkatzen: Bedrohen sie die Wildtiere? Experten klären auf

Im Vereinigten Königreich besitzt einer von vier Erwachsenen eine Katze, berichtet die führende britische Tierärzte-Organisation. Das ergibt 11,1 Millionen Katzen, von denen viele über weite Strecken frei umherstreifen. Vor dem Hintergrund der bedrohten britischen Tierwelt stellt sich die Frage: Wie schädlich sind Haustierkatzen für die von ihnen gejagten Arten?

Die Mammal Society, eine renommierte Organisation für Säugetierschutz und -erhaltung, hat Katzenbesitzer befragt. Ergebnis: Eine einzelne Katze brachte in fünf Monaten durchschnittlich 11 Beutetiere heim – von Haussperlingen bis Ringelnattern. Bei Millionen Katzen summiert sich das auf etwa 274 Millionen getötete Tiere pro Jahr vor den Haustüren.

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Was tun verantwortungsvolle Katzenbesitzer? Die naheliegende Lösung: Katzen dauerhaft im Haus halten. Doch Dr. John Bradshaw, Katzenexperte seit den 1980er Jahren, relativiert: „In Großbritannien fehlen klare Belege für eine ernsthafte Schädigung der Wildpopulationen durch Katzen. Sie töten zwar, aber langfristige Effekte sind schwer nachweisbar.“

Die meisten Beutetiere haben viele Nachkommen, die den Verlust ausgleichen. „Katzen sind keine effizienten Jäger“, ergänzt Bradshaw. „Ihre Opfer sind oft schon geschwächt oder sterbend.“ Statt Katzen zu verteufeln, lenkt das von echten Bedrohungen ab: Habitatverlust, Nahrungsmangel und Pestizideinsatz – wie im britischen State of Nature Report 2016 dokumentiert.

In den USA jagten freilaufende Katzen 2013 laut Studie 684 Millionen Vögel jährlich – dreimal mehr als Autos, zwölfmal mehr als Windräder. Scott Loss, Mitautor: „Es geht um menschliches Verhalten. Katzenbesitzer müssen die Risiken erkennen.“

Freilaufende Haustierkatzen: Bedrohen sie die Wildtiere? Experten klären auf

Für Naturschützer: Halten Sie Katzen indoors oder in Catios (Katzengehegen). Loss: „Viele Besitzer lehnen das ab und meinen, ihre Katze sei harmlos.“ Alternative von Bradshaw: Überprüfen Sie das Futter – nährstoffreiches Futter reduziert den Jagddrang.

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Für reine Wohnungskatzen eignen sich Kätzchen, die nie draußen waren. Dr. Lynn Bahr, US-Tierärztin und Produktexpertin: „Halten Sie sie geistig und körperlich aktiv – verstecken Sie Spielzeug und Leckerlis, um Wildbahn zu simulieren.“ Indoor-Leben birgt Risiken wie Fettleibigkeit oder Diabetes, draußen lauern Unfälle und Krankheiten.

Bradshaw rät: Prüfen Sie lokale bedrohte Arten. Bei Vorhandensein: Freilauf einschränken. Besser: Wildtiere fördern – Vögel füttern, Holzhaufen bauen. „Das hilft der Natur mehr als Katzensperre.“