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Caltech-Studie: Menschen spüren das Erdmagnetfeld möglicherweise unbewusst

Menschen besitzen vielleicht einen sechsten Sinn: die Fähigkeit, das Erdmagnetfeld wahrzunehmen. Diese Magnetorezeption ermöglicht Vögeln und Fischen, Tausende Kilometer präzise zu navigieren – wie ein natürlicher Kompass. Bisher galt sie beim Menschen als unbestätigt.

Ein Team vom California Institute of Technology (Caltech) und der University of Tokyo hat dies nun untersucht. Sie maßen bei 29 Probanden mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) die Alpha-Wellen – dominante Hirnrhythmen in Ruhesituationen ohne sensorische Reize. Bei Stimulation von Sinnesorganen sinkt dieser Rhythmus merklich.

Die Teilnehmer saßen in einem Faraday-Käfig, der Störungen blockierte. Mit elektrischen Spulen erzeugten die Forscher künstliche Magnetfelder: Die vertikale Erdkomponente blieb unverändert, die horizontale wurde manipuliert, um Kopfdrehungen zu simulieren. Bei Feldänderungen fielen die Alpha-Wellen ab – ein klares Zeichen, dass das Gehirn die Veränderung registrierte, ähnlich wie bei visuellen, akustischen oder taktilen Reizen.

Geophysiker Joe Kirschvink vom Caltech, Mitautor der Studie, erklärt den Mechanismus: Magnetitkristalle in menschlichen Zellen könnten wie Kompassnadeln wirken. Dieses Phänomen ist bei vielen magnetorezeptiven Tieren bekannt.

„Viele Tiergewebe bilden winzige magnetische Kristalle“, betont Kirschvink. „Magnetotaktische Bakterien richten sich passiv am Erdmagnetfeld aus. Ähnlich könnten Zellen mit Magnetitkristallen im Nervensystem Signale ans Gehirn senden.“

Die Probanden nahmen die Feldänderungen nicht bewusst wahr, trotz der Alpha-Wellen-Reaktion. Möglicherweise fehlt uns die bewusste Verarbeitung dieses Sinns.

„Das Gehirn verarbeitet viele Reize unbewusst“, sagt Kirschvink. „Der Trigeminusnerv, der diese Signale liefert, vermittelt meist unbewusste Eingaben. Manche Menschen könnten es jedoch bewusst spüren – wir suchen noch danach.“