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Ungewissheit und Überraschung: Das wissenschaftliche Geheimnis guter Popmusik

Musikgenuss entsteht durch eine perfekte Balance aus Ungewissheit und Überraschung, wie eine umfassende Analyse von über 700 Popsongs zeigt.

Forscher haben klassische Hits wie James Taylors Country Road, Tina Turners What’s Love Got To Do With It oder die Beatles’ Ob-La-Di, Ob-La-Da untersucht. Diese Songs überzeugen durch eine ideale Mischung aus Erwartbarem und Unerwartetem – unwiderstehlich genussvoll.

Vincent Cheung, Doktorand am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und Hauptautor der Studie, erklärt: „Ein besseres Verständnis, wie Musik unser Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, könnte aufzeigen, warum Hören therapeutisch wirkt, wenn es uns emotional schlecht geht.“

Das internationale Team aus Deutschland und Norwegen evaluierte 80.000 Akkorde aus 745 Songs der US Billboard Hot 100-Charts von 1958 bis 1991.

Beim Hören baut der Zuhörer Erwartungen an kommende Klänge und Akkorde auf.

Dazu entwickelten die Wissenschaftler ein Computermodell, das Vorhersageunsicherheit und Überraschung in Musik präzise misst.

Cheung betont: „Angenehme Songs balancieren Vorhersehbarkeit mit cleveren Überraschungen.“

Liebe es oder hasse es – eingängig ist es allemal.

Um Störfaktoren wie Texte oder Melodien auszuschließen, fokussierten die Forscher rein auf Akkordfolgen.

Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) maßen sie die Gehirnaktivität bei 79 Probanden.

In der Amygdala, dem Hippocampus und dem Hör cortex stieg die Aktivität – Regionen, die Emotionen, Lernen, Gedächtnis und Klangverarbeitung steuern.

In der Fachzeitschrift Cell Press schreiben die Autoren: Musik erzeugt Freude, indem sie Erwartungen aufbaut und durchbricht, während sich das Stück entfaltet.

Die Ergebnisse legen nahe, zukünftige Studien auf Tanz oder Film auszuweiten, um die Rolle von Unsicherheit und Überraschung in anderen Künsten zu erforschen.

Cheung schließt: „Computermodelle und Hirnscans bergen enormes Potenzial, um Musikpräferenzen und menschliche Wahrnehmung tiefer zu entschlüsseln.“