Eine Studie der Fakultäten für Ingenieurwesen und Chemie am Trinity College Dublin zeigt, dass Babyfläschchen aus Polypropylen beim Zubereiten von Säuglingsnahrung erhebliche Mengen Mikroplastik freisetzen.
Die Forscher fanden einen starken Zusammenhang zwischen Wärme und der Partikelfreisetzung: Wärmere Flüssigkeiten führen zu deutlich höheren Emissionen.
Polypropylen macht 20 Prozent der globalen Nichtfaser-Kunststoffproduktion aus und ist der am häufigsten genutzte Kunststoff in der Lebensmittelverarbeitung. Dennoch ist über die Mikroplastikfreisetzung aus solchen Behältern wenig bekannt.
Das Team testete 10 gängige Flaschenmodelle – repräsentativ für den globalen Online-Markt – unter WHO-empfohlenen Sterilisations- und Zubereitungsbedingungen. Alle enthielten Polypropylen oder Zubehörteile daraus.
Die Freisetzung variierte zwischen 1,3 und 16,2 Millionen Partikeln pro Liter. Über 21 Tage hinweg setzten die Flaschen kontinuierlich Mikroplastik frei, abhängig von Faktoren wie Wassertemperatur.
Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass Daten zu gesundheitlichen Auswirkungen auf Säuglinge fehlen und möchten Eltern nicht unnötig beunruhigen.
„Als wir diese Ergebnisse im Labor sahen, erkannten wir sofort die potenziellen Auswirkungen“, sagt Professor John Boland von der Trinity School of Chemistry. „Das Letzte, was wir wollen, ist, Eltern übermäßig zu ängstigen, insbesondere ohne ausreichende Infos zu den Folgen für Säuglinge.“
„Wir fordern Politiker auf, die Richtlinien für die Zubereitung von Säuglingsnahrung mit Plastikflaschen zu überprüfen. Entscheidend: Das Risiko lässt sich durch angepasste Sterilisations- und Zubereitungspraktiken senken.“
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In der Studie, veröffentlicht in Nature Food, modellierten die Autoren die globale Exposition von Säuglingen gegenüber Mikroplastik.
Sie schätzen, dass flaschengefütterte Babys in den ersten 12 Monaten durchschnittlich 1,6 Millionen Partikel pro Tag aufnehmen.
Regionale Unterschiede zeigen: Geringste Exposition in Afrika und Asien, höchste in Ozeanien, Nordamerika und Europa.
Die Forscher schlussfolgern, dass Säuglinge höheren Mengen ausgesetzt sind als bisher vermutet, und fordern mehr Forschung zu Kunststofffreisetzung im Alltag.
„Bisher fokussierte man auf Umweltquellen wie Ozeane und Böden“, erklärt Professor Liwen Xiao von der Trinity School of Engineering. „Unsere Arbeit zeigt: Tägliche Plastiknutzung ist eine direkte Quelle. Die Exposition ist näher als gedacht.“
„Dringend nötig: Bewertung der Gesundheitsrisiken, Verständnis von Transport und Schicksal im Körper. Dies ist Schlüssel zum Mikroplastik-Management.“