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Semaglutid: Das vielversprechende neue Medikament gegen schwere Adipositas

Als Experten für Adipositas-Behandlung wissen wir: Wir brauchen effektive Strategien zur Prävention und Therapie von Fettleibigkeit – ähnlich dringend wie bei COVID-19. Laut NHS-Daten vom Mai 2020 galten im Vereinigten Königreich schätzungsweise 26 % der Männer und 29 % der Frauen als fettleibig, definiert als BMI über 30.

Die Lockdowns haben die Situation vermutlich verschärft. Übergewichtige Patienten haben ein höheres Risiko, an COVID-19 zu versterben. Forscher der University of Glasgow schätzen sogar, dass Fettleibigkeit das Rauchen als Hauptursache schlechter Gesundheit in England und Schottland überholt hat.

Eine ausgewogene Ernährung kombiniert mit Bewegung verhindert Gewichtszunahme, behandelt Adipositas aber nicht nachhaltig. Sehr kalorienarme Diäten unter 1.000 kcal/Tag ermöglichen 10–15 kg Verlust in 12 Wochen. Moderate Kalorieneinschränkungen, wie in kommerziellen Programmen, führen zu ca. 7 kg pro Jahr – doch das Gewicht kommt meist zurück. Neue Ansätze sind essenziell.

Bisherige Adipositas-Medikamente waren entweder unwirksam oder hatten starke Nebenwirkungen wie Bluthochdruck oder Analinkontinenz. Bariatrische Chirurgie ist bei schwerer Adipositas effektiv, birgt aber Risiken und Langzeitfolgen.

Im Darm regulieren Peptidhormone Appetit und Energieverbrauch. Adipositas-OPs wirken, indem sie diese Darm-Gehirn-Kommunikation verändern. Besonders GLP-1, ausgeschüttet im Ileum bei Kohlenhydraten, fördert Insulin, bremst Magenbewegungen und Säureproduktion.

Eine wegweisende Doppelblindstudie unter Leitung von Prof. John Wilding, veröffentlicht im Februar im New England Journal of Medicine, testete Semaglutid – ein GLP-1-Nachahmer, ursprünglich für Typ-2-Diabetes. Bei Diabetikern führte es bereits zu starkem Gewichtsverlust.

1.961 übergewichtige Patienten ohne Diabetes (75 % Frauen, 75 % Weiße, 13 % Asiaten, 6 % Schwarze; Durchschnitts-BMI 38) wurden randomisiert: Eine Gruppe erhielt wöchentliche Semaglutid-Injektionen, die Kontrollgruppe Placebo – über 68 Wochen, ergänzt durch Ernährungs- und Lebensstilberatung.

Semaglutid-Patienten verloren im Schnitt 15,3 kg (vs. 2,6 kg Placebo). Der Nettoeffekt: 12,7 kg. Zusätzlich sank der Blutdruck um 5,1 mmHg, die körperliche Leistungsfähigkeit stieg. Häufige Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Potenzielle Risiken: Gallenblasenprobleme, Pankreatitis.

Diese hochwertige Studie zeigt: Semaglutid übertrifft alle bisherigen Medikamente. Doch was passiert nach Absetzen? Langzeitdaten fehlen. Wie bei OP-Patienten gilt: Ungesunde Snacks, zuckerhaltige Getränke meiden und Portionen kalorienreicher Speisen reduzieren.

Bestätigung in diverseren Gruppen mit mehr Männern ist nötig. Wöchentliche Injektionen könnten die Akzeptanz bremsen – orale Varianten werden getestet.

Semaglutid ist kein Wundermittel, sondern Ergänzung zu gesundem Lebensstil und Prävention ungesunder Gewohnheiten. Ähnlich wie bei COVID-19-Impfstoffen: Medikamente ersetzen keine Verhaltensänderung.