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Pandemie und Schlaf: Was passiert, wenn wir unseren natürlichen Rhythmus leben?

Schlaf basiert auf festen Mustern, die die Pandemie massiv durcheinandergebracht hat. COVID-19 hat eigene Zeitpläne vorgeschrieben, denen Arbeit, Schule und Schlafrhythmen kaum folgen konnten. Eine aktuelle Studie, an der ich als Forscher beteiligt war, zeigt die Folgen dieser Veränderungen – teilweise sogar positive Effekte.

Die Pandemie wurde zu einem natürlichen Experiment für Schlafgewohnheiten. Lockdowns, Homeoffice, Urlaub oder Jobverlust schufen Flexibilität. Was geschieht, wenn Menschen ihren Schlaf an den zirkadianen Rhythmus anpassen können?

Ich führte mit einem internationalen Team eine Studie mit rund 15.000 Erwachsenen aus 14 Ländern durch. Fast die Hälfte berichtete, dass ihre Pandemie-Zeitpläne besser zu ihren natürlichen Schlaf-Wach-Zyklen passten als zuvor.

Sozialer Jetlag (SJL) beschreibt den Konflikt zwischen sozialen Zeitplänen und biologischen Rhythmen. Betroffene mit starkem SJL leiden häufiger unter Schlaflosigkeit, Depressionen, Angst und geringerem Wohlbefinden als Menschen mit stabilen Routinen.

Nachteulen, die unter der Woche früh aufstehen müssen, aber am Wochenende ausschlafen, erleben hohen SJL. Frühaufsteher mit konstanten Zeiten haben dagegen wenig davon.

In unserer Studie, veröffentlicht im Oktober 2021 in Nature And Science Of Sleep, verringerten 46 Prozent der Teilnehmer ihren SJL während der Pandemie. Fast alle taten dies durch Verschiebung nach hinten: später aufstehen, später essen, später ins Bett. Nur 20 % steigerten ihren SJL, der Rest blieb unverändert.

Pandemie und Schlaf: Was passiert, wenn wir unseren natürlichen Rhythmus leben?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass knapp die Hälfte der Bevölkerung einen späteren Chronotyp hat. Überraschend: Wer SJL reduzierte, litt stärker unter Schlaflosigkeit und Stress als SJL-Stabile. Grund könnte geringere Schlafeffizienz durch langes Aufbleiben sein, das Durchschlafen erschwert.

Weitere Forschung ist nötig, um zu klären, ob Begleitumstände wie Jobverlust, Familienstress oder Finanzen die Vorteile eines geringeren SJL zunichtemachen. Welche gesundheitlichen Gewinne gäbe es ohne Pandemie-Stress?

Während Homeoffice vor allem das Wo der Arbeit diskutiert, rückt unser Wann in den Fokus. Diese Studie unterstreicht: Zeitpläne, die zur Biologie passen, sind entscheidend für Schlaf, Körper und Psyche.

Unsere Daten zeigen: Einheitliche Zeitpläne passen nur der Hälfte. Nächste Schritte: Flexible Modelle für alle testen – mit potenziell großen Effekten auf Schlaf und Gesundheit.