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Wie bessere Gefängnisernährung Gewalt bei Insassen um 30 % senkt: Bewährte Studien und Praxis-Erfahrungen

Der wissenschaftliche Fortschritt zeichnet sich durch den Übergang vom Übernatürlichen zum Natürlichen und vom Mystischen zum Alltäglichen aus. Vor der Ära moderner Psychologie und Neurowissenschaften galten Geisteskrankheiten als Beweis für dämonische Besessenheit, unglückliche Gottheiten oder rachsüchtige Flüche. Ungewöhnliches Verhalten wurde mit Gebet, Buße und Exorzismus bekämpft.

Gegen Ende der Renaissance, als der Einfluss der Kirche auf das bürgerliche Leben nachließ, gewannen weltliche Ursachen für emotionalen Stress und abnormes Verhalten an Akzeptanz. Die Behandlung psychisch Kranker in 16.-Jahrhundert-Anstalten war zwar inhuman, doch man erkannte natürliche oder körperliche Ursachen und setzte Abführmittel oder Brechmittel ein.

Heute zählt Ernährung zu den alltäglichsten, aber tiefgreifendsten Einflüssen auf psychische Gesundheit und Verhalten – gestützt durch umfangreiche Forschung. Sie löst nicht alle Rätsel des Geistes, ist jedoch ein unterschätzter Faktor. Besonders eindrucksvoll zeigen sich ihre Effekte in Gefängnissen.

Mehrere Studien belegen: Eine optimierte Ernährung für Gefangene senkt Gewaltvorfälle um durchschnittlich 30 %. Diese Ergebnisse fordern uns auf, unsere Lebensmittelwahl – für uns, unsere Kinder oder Institutionen – neu zu bedenken.

Wie bessere Gefängnisernährung Gewalt bei Insassen um 30 % senkt: Bewährte Studien und Praxis-Erfahrungen

Ernährung und Verhalten in der Kindheit

Jahrzehntelange Forschung bestätigt den Zusammenhang zwischen Ernährung und kindlichem Verhalten. Omega-3-Fettsäuren bilden etwa 35 % der Gehirnzellmembranen und sind essenziell für die Signalübertragung zwischen Neuronen – besonders in der frühen Gehirnentwicklung von der Empfängnis bis zum Alter von zweieinhalb Jahren.

Eine Studie im The American Journal of Clinical Nutrition (März 2021) zeigt: Niedrige Omega-3-Zufuhr in der Schwangerschaft geht mit kleinerem kindlichen Gehirnvolumen einher. Eine weitere im The Journal of Pediatrics (2014) fand, dass frühe Unterernährung bei Fünf- bis Sechsjährigen mit Aggression, Trotz und Vandalismus korreliert.

Solche Verhaltensmuster prognostizieren asoziales oder gewalttätiges Verhalten im Jugend- und Erwachsenenalter.

Ernährung ist nicht der einzige Faktor – Erziehung, Sprachfähigkeiten und Bindungsstile spielen mit. Doch Studien trennen ihren Einfluss: Bei 4.000 niederländischen Kleinkindern reduzierte mütterliche Folsäure im ersten Trimester schlechtes Verhalten signifikant, unabhängig von Alter, Bildung, Herkunft oder Psychopathologie der Mutter.

Bei ADHS-Kindern (betroffen ca. 5 %, meist Jungen) senkte eine 10-wöchige, verblindete, randomisierte Studie mit Multivitaminen, Mineralstoffen und ggf. Omega-3 Aggressionen, Heißhunger und Wutausbrüche. Unbehandeltes ADHS erhöht das Risiko für Schulverweis (über 100-fach), Kriminalität und Inhaftierung.

Schlechte Kindheitsernährung beeinträchtigt also die Gehirnentwicklung und steigert langfristig Aggressionsrisiken. Dies führt uns zu Gefängnissen.

Gefängnisernährung

Gefängnismahlzeiten unterliegen wenigen Vorgaben. Im UK fordern die Prison Rules "gesunde, nahrhafte, gut zubereitete, abwechslungsreiche und ausreichende" Kost – Begriffe ohne klare Definition. Private Caterer priorisieren Gewinne: Pro Tag 2 £ statt 5,99 £ für Eatwell-Empfehlungen.

Typisch: Raffinierte, nährstoffarme Produkte. Frühstück: Zerealien, Tee/Kaffee/Zucker, Milch, Brot, Marmelade, Margarine. Mittag: Weißbrot-Sandwich mit Chips, Keksen, Obst. Abend: Panierte Fisch/Chips, Würstchen, Pasteten (siehe Bild).

Wie bessere Gefängnisernährung Gewalt bei Insassen um 30 % senkt: Bewährte Studien und Praxis-Erfahrungen

Aus meiner jahrelangen Praxis in einem großen britischen Frauengefängnis kenne ich diese Realität: Wenig Frisches, Mangel an Mikronährstoffen wie Folsäure, Magnesium (Blattgemüse) oder Omega-3 (fetthaltiger Fisch).

Debatte um Rehabilitation vs. Strafe ändert nichts: Bessere Ernährung steigert Sicherheit klar und unkompliziert. UK-Daten: Selbstmorde +13 %, Selbstverletzungen bei Männern +8 %, Frauen +47 %, Übergriffe auf Personal +14 %. Ernährung könnte rasch helfen.

Die Gefängnisstudien

Fünf randomisierte, verblindete, placebokontrollierte Studien ("Prison Studies", 25 Jahre) in internationalen Gefängnissen: Vitamine/Mineralstoffe ± Omega-3 reduzierten Gewalt um ~30 %. Aktuell läuft eine australische Omega-3-Studie.

Supplements ermöglichen Blindung – unmöglich mit Vollwertkost. Goldstandard-Methodik, keine Nebenwirkungen: Kostengünstig, risikofrei, wirksam gegen steigende Gewalt.

Meta-Analyse: Psychologische Therapien (24–470 Std.) wirkungslos gegen Gewalt. Lithium (-40 %) hatte Bias, hohe Dropout-Rate, Nebenwirkungen (Übelkeit etc.). Yoga verbessert Verhalten vorläufig, Dropout-Risiko hoch.

Ernährung übertrifft Alternativen – bei 90 % psychisch Erkrankter potenziell hilfreich für Wohlbefinden.

Wie bessere Gefängnisernährung Gewalt bei Insassen um 30 % senkt: Bewährte Studien und Praxis-Erfahrungen

Ernährung allein verursacht keine Kriminalität (Armut, Benachteiligung etc. wirken mit), ist aber am schnellsten einsetzbar: Effekte in Wochen, günstig.

Wie bessere Gefängnisernährung Gewalt bei Insassen um 30 % senkt: Bewährte Studien und Praxis-Erfahrungen

UK-Kosten: >44.000 £/Gefangener/Jahr (+10.000 £ seit 2015). Supplements: ~40 £/Jahr (2002). Frische Produkte amortisieren sich durch Einsparungen; Landwirtschaftsprogramme bieten Skills-Training.

Für 30 % weniger Gewalt, bessere Gesundheit, weniger Vorfälle: Investition lohnt. Sicherere Gefängnisse – einfach umsetzbar.

  • Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 374 des BBC Science Focus Magazine.