Die UK Health Security Agency (UKHSA) untersucht derzeit 145 Fälle von Hepatitis bei Kindern, von denen 10 eine Lebertransplantation erforderlich machten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bislang 228 wahrscheinliche Fälle aus 20 Ländern weltweit gemeldet.
Bei einer WHO-Pressekonferenz am 1. Mai 2022 erklärte Dr. Philippa Easterbrook, dass nur sechs der 20 betroffenen Länder mehr als fünf Fälle verzeichneten. Seit der Meldung des Anstiegs am 5. April 2022 gab es einen Todesfall durch Kinderhepatitis und 18 Lebertransplantationen, wie die WHO berichtet.
Die Ursache für diesen unerwarteten Anstieg von Hepatitis – einer Entzündung oder Schädigung der Leber mit Symptomen wie Durchfall und Erbrechen – ist noch ungeklärt. Es gibt jedoch Hypothesen: In Großbritannien wiesen Tests bei 72 von 84 Kindern eine Adenovirus-Infektion nach. Adenoviren verursachen häufig Erkältungen, Fieber, Lungenentzündungen oder Durchfall.
Die Forschung läuft auf Hochtouren, da auch in anderen Ländern Adenovirus-Zunahmen beobachtet wurden. Ein Zusammenhang mit geografischen Regionen, Lebensmitteln, Tieren, Reisen oder Toxinen konnte nicht festgestellt werden.
Spekulationen zu COVID-19-Impfungen bei Kindern widerlegt die WHO: Die meisten betroffenen Kinder waren nicht geimpft.
Wir sprachen mit der Leberimmunologin Dr. Zania Stamataki, um den aktuellen Wissensstand zu diesem Phänomen zusammenzufassen.
Was ist Hepatitis?
Hepatitis bedeutet Leberentzündung und kann verschiedene Ursachen haben: Viren, Toxine oder Autoimmunerkrankungen. "Viele Fälle heute entstehen durch fettreiche Ernährung, die der Leber schadet", betont Stamataki.
Die Bezeichnung "Hepatitis-Ausbruch" kann irreführend sein, da sie auf eine Infektion hindeutet. Besser: Lebererkrankung unbekannter Ursache, bis Klarheit herrscht.
Ist Hepatitis bei Kindern ernst?
Akut Hepatitis heilt meist rasch. "Die Leber ist ein regenerationsfähiges Organ, unser größtes inneres und das einzige, das nachwächst", erklärt Stamataki.

Leichte Formen verlaufen oft symptomlos. Bei Viren wie Adenovirus erholt sich die Leber nach Abklingen der Infektion. Im UK-Impfprogramm sind Babys gegen eine virale Hepatitis-Variante geschützt.
Symptome von Hepatitis bei Kindern
Achten Sie auf Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Gelbsucht (gelbe Haut und Augen). "Das deutet auf Leberschäden hin – lassen Sie Blut auf Leberenzyme testen", rät Stamataki. NHS ergänzt: Muskel-/Gelenkschmerzen, Fieber, Appetitlosigkeit, dunkler Urin.
Kann sich ein Kind erholen?
Die meisten Fälle klingen unbehandelt ab. Diese schweren erfordern jedoch Krankenhaus und Behandlung; rund 8 % brauchten eine Lebertransplantation.

Wie viele Kinder sind betroffen?
Bis 1. Mai 2022: 228 schwere Fälle weltweit – ungewöhnlich hoch für die Jahreszeit. In UK (8,7 Mio. Kinder unter 10): 145 Fälle (England: 108, Schottland: 17, Wales: 11, Nordirland: 9). "Sehr selten (0,0016 %), aber im Vergleich zur Vor-Pandemie-Zeit auffällig", sagt Stamataki.
Milde Fälle könnten unbemerkt geblieben sein.
Ursachen der neuen Fälle?
Hypothesen: Virusinfektionen wie Adenovirus 41 (Erkältung, Durchfall), die verzögert Leberschäden verursachen. "Ungewöhnlich für Adeno 41, aber zirkuliert saisonal", warnt Stamataki. Studien prüfen Immunantwort, Genetik und Adeno-Raten.
Lockdown-Effekt?
Möglicherweise schwächeres Immunsystem durch fehlende Exposition. "Interessant, erklärt aber nicht die Leberschäden bei Wenigen."
COVID-19 als Ursache?
16 % UK-Fälle COVID-positiv – erwartet bei hoher Prävalenz. "SARS-CoV-2 neu; könnte variabel Organe schädigen. Warum nur diese Kinder? Mehrere Faktoren denkbar."
Schutz vor Hepatitis
NHS-Rat: Hygiene (Händewaschen beaufsichtigen). Bei Symptomen Arzt aufsuchen. Erbrechen/Durchfall: 48 Std. Zuhause bleiben.