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Der Pfad zum Netto-Nullpunkt: Wie das Vereinigte Königreich klimaneutral werden kann

Die Welt hat spät erkannt, dass Treibhausgase innerhalb weniger Jahrzehnte eliminiert werden müssen. Das Vereinigte Königreich hat Netto-Null-Emissionen bis 2050 zugesichert. Ist dieses Ziel erreichbar? Welche Kosten entstehen? Wie stark muss sich unser Lebensstil ändern?

Zusammenfassend: Eine drastische CO2-Reduzierung ist machbar, wird jedoch teuer und erfordert harte Anpassungen in vielen Lebensbereichen.

Diese Transformation wird so disruptiv wie die erste Industrielle Revolution. Doch am Ende der Dekarbonisierung steht eine sicherere Welt mit wohlhabenderer und gerechterer Gesellschaft.

Das Vereinigte Königreich braucht ein umfassendes Programm zur CO2-Reduzierung in allen Sektoren – von der Energieerzeugung über Landwirtschaft bis hin zur Textilindustrie.

Viele halten das Land bereits für auf Kurs zur Null-Emission. Tatsächlich stammen die bisherigen Erfolge hauptsächlich vom Kohleausstieg und dem Ausbau von Wind- und Solarenergie in der Stromversorgung.

Das war der leichte Teil. Nun wird es schwierig: Noch decken fossile Brennstoffe etwa die Hälfte des Strombedarfs sowie fast den gesamten Restenergiebedarf.

Wir können kohlenstoffarme Quellen ausbauen, indem wir Windparks an Land und Offshore sowie Solaranlagen landesweit erweitern. Skeptiker betonen zurecht: Erneuerbare liefern nicht immer dann Strom, wenn benötigt – nachts keine Sonne, wochenlang schwache Winde auf den Britischen Inseln.

Ein Lösungsvorschlag: Massiver Ausbau der Erneuerbaren um das 20-Fache, um fast immer ausreichend Kapazität zu haben – auch nach Elektrifizierung von Verkehr (Batterieautos) und Heizung (Wärmepumpen).

Überschüssige erneuerbare Energie scheint verschwenderisch? Nein: Sie dient der Elektrolyse zur Wasserstoffproduktion – der Schlüsselkohlenstoffarmen Energiequelle.

In Europa laufen große Experimente zur Netzstabilisierung mit Wasserstoff. Das Vereinigte Königreich sollte folgen; abgesehen von Orkney-Projekten fehlt es jedoch an Fortschritt.

Gespeicherter Wasserstoff (in alten Ölfeldern oder Salzkavernen) erzeugt Strom bei Windstille – via Brennstoffzellen oder modifizierter Gasturbinen. Zudem ersetzen Wasserstoffkessel Erdgasheizungen.

Trotzdem bleibt Überschuss: Nutzen für nicht-elektrifizierbare Bereiche wie Luftfahrt, Fernverkehr und Schwermetallurgie. Synthetische Kraftstoffe aus Wasserstoff und CO2 (aus Luft oder Industrie) ersetzen fossile Hydrokohlenwasserstoffe.

Beim Verbrennen entsteht CO2 erneut – daher sind Langzeitspeicher essenziell. So entsteht für die Energieerzeugung ein klarer Netto-Null-Pfad.

Das deckt nur zwei Drittel der Emissionen. Zweitgrößte Quelle: Landwirtschaft (lokal und importiert).

Rinderzucht emittiert massiv Methan – ebenso klimaschädlich wie CO2. Etwa 10 % der Treibhausgase stammen von Wiederkäuern. Unangenehm, aber wahr: Klimastabilität passt nicht zum aktuellen Fleischkonsum.

Die Welt muss auf pflanzliche Ernährung umstellen: Getreide, Hülsenfrüchte, Samen und Gemüse brauchen weniger Land – Platz für Aufforstung. Globale Produktion: 6.000 Kalorien pro Person/Tag; vieles füttert Tiere.

Abwechslungsreiche, fleischarme Ernährung fördert Gesundheit. Künstliches Fleisch und Vertical Farming sparen Fläche.

Landwirtschaft muss Böden regenerieren: Weg von Monokulturen hin zu ökologischer Vielfalt. Störend für Landwirte – sie brauchen Schutz.

Weitere Quellen: Stahl-, Zement- und Düngemittelproduktion. Erneuerbarer Wasserstoff hilft: Stahlhersteller in Europa setzen darauf um; Dünger leicht anpassbar, Zement anspruchsvoller.

Zusätzlich: CO2-Abscheidung steigern via regenerative Landwirtschaft und Aufforstung.

Als am wenigsten bewaldetes großes europäisches Land kann das Vereinigte Königreich Wälder verdoppeln/dreifachen – Senke für Millionen Tonnen CO2/Jahr, Einsparung von 8 Mrd. £ Holzimporten, ländliche Jobs.

Energieeffizienz: Häuser modernisieren – von mittelalterlicher Isolierung zu Tiefenrenovierungen. Potenzial für Qualitätsjobs.

Weitere Maßnahmen: Weniger Fliegen, bessere ÖPNV, autofreie Zonen für Rad- und Fußverkehr, weniger Autobesitz.

Kleiderkonsum reduzieren, Kreislaufwirtschaft etablieren: Recyceln, Wiederverwenden.

Viele Änderungen schmerzen. Kleinigkeiten wie Plastiktütenverbote reichen nicht.

Realität: 20 Jahre lang 10 % des Volkseinkommens investieren für lebenswerte Zukunft. Gut: Kapital ist verfügbar.

Belohnung: Niedrige Energiekosten, bequemere Häuser, bessere Gesundheit, nährstoffreiche Nahrung, Jobs in benachteiligten Regionen. Kein Grund zur Furcht.