Die zunehmende Verschmutzung der Ozeane durch Plastik – von Tüten über verlassene Fischernetze bis hin zu Mikroplastik – hat in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit erregt.
Doch auch andere Schadstoffe wie Öl und Gas, Pestizide, Antibiotika, Schwermetalle sowie Industriechemikalien belasten die Weltmeere massiv, wie ein neuer Bericht des High Level Panel for a Sustainable Ocean Economy (Ocean Panel) betont.
„Obwohl Plastik ein brisantes Thema ist, handelt es sich leider nur um den jüngsten großen Schadstoff in den Ozeanen“, erklärt Ellie Moss, Expertin für Meeresplastik und Mitautorin des Berichts.
„Eines der Merkmale, die Plastik von den meisten anderen Schadstoffen unterscheidet, ist seine Sichtbarkeit. Bei den unsichtbaren Schadstoffen erkennen wir oft nicht einmal ihr Vorhandensein – das ist ein enormes Problem.“
Der vom Ocean Panel – einer Initiative von 14 Staatsoberhäuptern – beauftragte Bericht umreißt konkrete Maßnahmen zur Reduzierung dieser Schadstoffe.
In vielen Fällen lassen sich Strategien einsetzen, die mehrere Schadstoffarten gleichzeitig bekämpfen, heißt es darin. „Wir müssen gezielt nach Wegen suchen, möglichst viele Schadstoffe auf einmal anzugehen“, betont Moss.
Ein Schlüssel zur Lösung ist die Rückgewinnung und das Recycling von Materialien, um zu verhindern, dass sie als Schadstoffe ins Meer gelangen, und stattdessen in der Kreislaufwirtschaft zu bleiben.
Die Entwicklung umweltverträglicher Materialien und Chemikalien spielt ebenfalls eine zentrale Rolle.
Zusätzlich fordert der Bericht eine effizientere Ressourcennutzung von vornherein – etwa durch verpackungsfreie Supermärkte, das Verbot von Einwegplastiken oder neue Geschäftsmodelle, die den sparsamen Einsatz von Pestiziden belohnen.

„Viele denken: ‚Wie säubern wir den Ozean?‘ Das ist die falsche Frage“, warnt Moss. „Es geht nicht darum, zu reinigen, sondern darum, künftig gar nicht mehr zu verschmutzen.“
Linda Nowlan, Leiterin des Meeresprogramms bei West Coast Environmental Law in Kanada, ergänzt: Freiwillige Maßnahmen reichen nicht aus, um die Plastikflut zu stoppen.
„Wir benötigen einen rechtsverbindlichen Vertrag, der das Wachstum der Kunststoffproduktion eindämmt“, fordert sie. „Strengere gesetzliche Regeln für Hersteller und Recycler sind dringend erforderlich.“
- In einer früheren Version dieses Artikels stand fälschlicherweise World Resources Institute (WRI); korrigiert zu High Level Panel for a Sustainable Ocean Economy (Ocean Panel).