Blattschaf-Seeschnecke (Costasiella kuroshimae)

Diese winzige Meeresschnecke erinnert an ein Cartoon-Schaf und gehört zu über 4.700 bekannten Arten, die Ozeane durchstreifen. Das Blattschaf (Costasiella kuroshimae) lebt an Korallenriffen und ernährt sich von Algen.
Die grüne Färbung stammt von ihrer Nahrung: Es integriert Chloroplasten der Algen in seine Haut, wo sie weiter Photosynthese betreiben – ein Phänomen namens Kleptoplastie. So überlebt es Nahrungsknappheit. Meeresschnecken, schalenlose Verwandte unserer Landschnecken, bevölkern alle Meeresregionen von Gezeitentümpeln bis Tiefsee.
Blattkiemerschnecke (Cyerce nigricans)

Meeresschnecken faszinieren durch ihre Vielfalt an Formen und Farben. „Ihre geometrische Schönheit ist verblüffend“, sagt Heather Buttivant, Autorin von Rock Pool: Extraordinary Encounters Between The Tides und Expertin für Küstennacktschnecken in Großbritannien.
Diese tropische Art (Cyerce nigricans) trägt Cerata – Ausstülpungen, die bei Bedrohung abgeworfen werden, ähnlich wie der Schwanz einer Eidechse. Rhinophoren, fühlerartige Organe am Kopf, dienen dem Riechen und Schmecken des Wassers; hier gegabelt wie eine Schlangenzunge zur Richtungsbestimmung.
Bananenschnecke (Notodoris minor)

Ohne Schale schützen sich Meeresschnecken durch Tarnung oder Warnfarben. Die Bananenschnecke (Notodoris minor) verschmilzt auf gelben Schwämmen – ihrer Lieblingsnahrung – nahtlos mit dem Untergrund.
Viele Arten signalisieren Giftigkeit durch grelle Muster; Toxine stammen aus Beute oder eigener Produktion. Doriden wie diese haben glatte Haut und gefiederte Kiemen; Aeoliden sind cerata-bedeckt. Beide Gruppen heißen Nacktschnecken wegen ihrer exponierten Kiemen.
Gestreifter Nembrotha (Nembrotha lineolata)

Als simultane Hermaphroditen besitzen Meeresschnecken beide Geschlechter, paaren sich jedoch wechselseitig. Der Penis sitzt rechts am Kopf – Relikt ihrer schneckenhaften Vorfahren. Paarungen dauern Sekunden bis 10 Minuten.
Manche Arten nutzen Einwegpenisse: Der erste entfernt fremde Spermien, ein Ersatz wächst nach. Bei Nembrotha lineolata sichtbar in dieser Aufnahme paarender Tiere.
Risbecia tryoni und Knoutsodonta jannae

Nach der Paarung legen sie Eier: spiralige Bänder bei Risbecia tryoni (oben) oder Klumpen bei Knoutsodonta jannae (unten). „Brutknäuel übersteigen oft die Körpergröße“, erklärt Buttivant – ideal zum Aufspüren winziger Arten.

Larven schlüpfen als Veliger mit Schale, setzen sich später anschießend und metamorphosieren, oft durch Nahrungschemikalien getriggert.
Flabellina nobilis

Diese nordatlantische Nacktschnecke (Flabellina nobilis) frisst giftige Hydroiden unversehrt dank Chitin-Auskleidung und Schleim. Ungerührte Nesselkapseln lagert sie in der Haut zur Selbstverteidigung.
„Sie wirken zart, sind aber hochgerüstet“, betont Buttivant. Britische Arten spritzen gar Schwefelsäure.
Löwenmähnen-Nacktschnecke (Melibe leonine)

Einzigartig: Die Löwenmähnen-Nacktschnecke (Melibe leonine) aus pazifischen Seetangwäldern jagt mit tentakelbesetzter Haube. Sie schnappt Plankton und duftet nach Wassermelone – abschreckend für Feinde, anziehend für Partner.
Eine weitere planktonfressende Art nutzt Hydroiden als unbeabsichtigte Fallen für Doppeltbeute.