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Herzinfarkte besiegen: Revolutionäre Entdeckungen gegen Großbritanniens größten Killer

Schon 1976 erzielte der britische Forscher Michael Davies einen Meilenstein in der Medizin: Er entdeckte, dass Herzinfarkte durch Blutgerinnsel in den Herzkranzarterien ausgelöst werden. Diese Erkenntnis hat unzähligen Patienten das Leben gerettet. Heute sind Gerinnsel- und Cholesterinsenker sowie minimalinvasive Arterienerweiterungen Standard, um Blockaden zu verhindern, die den Herzmuskel vom Sauerstoff abschneiden.

Vor 50 Jahren war das Risiko für Herzkrankheiten in Großbritannien viermal höher als heute. Dennoch bleiben Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt die führenden Todesursachen im Westen – in Großbritannien sterben daran ein von sieben Männern und doppelt so viele Frauen wie an Brustkrebs.

Neue Technologien und ein vertieftes Verständnis der Risikofaktoren verändern das Bild grundlegend. Weltweite Forscher sehen das Ende von Herzinfarkten als realistisches Ziel.

„Die Beseitigung von Herzinfarkten ist machbar“, betont Prof. Metin Avkiran, Molekularkardiologe am King’s College London und stellvertretender medizinischer Direktor der British Heart Foundation. „Wir können einen entscheidenden Einfluss erzielen.“

Ziel ist es, Hochrisikopatienten präzise zu identifizieren und Arterienschäden früh zu stoppen. Dazu entwickeln Experten Früherkennungssysteme mit Genetik, KI-gestützter Herzbildgebung und injizierbaren Molekularsonden gegen Verkalkungen.

In Kürze kommen laborgestellte Antikörper, die auslösende Proteine und Entzündungen blockieren. Sogar ein Impfstoff gegen Herzinfarkte ist in Arbeit.

Präzise Risikoberechnung

Hausärzte und Kardiologen schätzen das Risiko bereits anhand von Alter, Familie, Cholesterin, Blutdruck, Rauchen und Diabetes. Doch diese Modelle sind ungenau.

Genetik revolutioniert dies: Statt vager „Familiengeschichte“ analysieren wir spezifische DNA-Varianten. Forscher haben 67 Stellen identifiziert, die das Infarktrisiko steigern – vererbt und kumulativ.

Im Oktober 2018 zeigten Wissenschaftler der University of Cambridge und Leicester: Ihr Genomic Risk Score ist präziser als je zuvor.

Herzinfarkte besiegen: Revolutionäre Entdeckungen gegen Großbritanniens größten Killer

Basierend auf KI-Analyse von 500.000 Biobank-Daten korrelierten 1,7 Millionen Varianten mit Herzereignissen. Bald kostet ein Gentest unter 50 £ – auch für Kinder – und ermöglicht gezielte Prävention.

Weitere Tools wie Astro-CHARM (NASA-Kooperation) kombinieren Kalziumscores mit Apps für 10-Jahres-Prognosen.

Plaque-Marker aufspüren

Der Heilige Gral: Früherkennung instabiler Plaques, die platzen und Gerinnsel bilden. Avkiran: „Koronarangiographie zeigt Blockaden, nicht aber Bruchrisiken.“

Herzinfarkte besiegen: Revolutionäre Entdeckungen gegen Großbritanniens größten Killer

Entzündungen signalisieren Gefahr. Oxford-Forscher messen per KI Fettveränderungen um Arterien – eine 10-Jahres-Studie in The Lancet (2018) bestätigt hohe Vorhersagekraft. Ein Spin-off analysiert CT-Scans weltweit in 24 Stunden.

Früherkennungssysteme

Molekularsonden im Blut heben Prozesse in MRI-Scans hervor. Prof. Rene Botnar (King’s College) fand: Tropoelastin markiert brüchige Plaques.

Imperial College visualisiert oxidiertes LDL per fluoreszierenden Antikörpern – potenziell auch für gezielte Therapie.

Herzinfarkte besiegen: Revolutionäre Entdeckungen gegen Großbritanniens größten Killer

„Eine Kombination hilft altersgerecht“, sagt Avkiran. Prävention via Antikörper übertrifft Statine: PCSK9-Hemmer senken LDL effektiv.

Canakinumab reduzierte in einer 40-Länder-Studie das Infarktrisiko um 24 %. Neue Entzündungsblocker öffnen Fronten.

Gezielte Anwendung spart Kosten. Dr. Ramzi Khamis (Imperial): Natürliche IgG/IgM-Antikörper gegen oxidiertes LDL schützen – Hohe Spiegel senken Risiko um 70 %.

„Messung und Therapie boosten Immunschutz“, erklärt Khamis. Ein Impfstoff? In 10 Jahren möglich.

  • Dieser Auszug stammt aus Ausgabe 331 von BBC Focus Magazin - hier abonnieren