Die wegweisende Entdeckung von Robert Koch war das Ergebnis intensiver Einzelarbeit über mehr als ein halbes Jahr. Von 1881 bis 1882 widmete sich der Pionier der Mikrobiologie der häufigsten Todesursache des 19. Jahrhunderts: der Schwindsucht, auch bekannt als Tuberkulose. Im Gegensatz zu akuten Infektionskrankheiten, die frühere Forschungsansätze prägten, stellte Tuberkulose eine besondere Herausforderung dar.
Viele Ärzte seiner Zeit sahen sie als Erbkrankheit an und erklärten die familiäre Häufung mit genetischen Defekten. Der Tuberkelbazillus jedoch wächst langsam, lässt sich schwer färben und kultivieren. Koch gelang es, ihn in Meerschweinchen zu züchten, wo er Lungen-Tuberkel auslöste. Der Schlüssel war das perfekte Nähr-medium: hitzegeronnenes Schafserum.
Mithilfe einer Kombination aus Methylenblau und Bismarckbraun machte er den Erreger mikroskopisch sichtbar – ein entscheidender Durchbruch.
Durch Infektion, Heilung und erneute Kultivierung in Versuchstieren erfüllte Koch die Kriterien, die bis heute als 'Kochs Postulate' gelten. Diese Neudefinition der Tuberkulose revolutionierte das Verständnis der Krankheit und begründete öffentliche Gesundheitsmaßnahmen, wie den Bau von Tuberkulose-Sanatorien. Dort wurden Betroffene mit Bazillen im Sputum über Monate isoliert und mit den damaligen Therapien – weitgehend unwirksam bis zur Antibiotika-Ära der 1940er Jahre – behandelt.