Der weltweit erste Urintest zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs könnte die Fünf-Jahres-Überlebensrate auf 60 Prozent anheben, wenn er erfolgreich eingesetzt wird. Das ist die Überzeugung von Professor Tatjana Crnogorac-Jurcevic, der führenden Expertin, die den Test entwickelt hat.
Dieser nicht-invasive Test aus dem Barts Cancer Institute der Queen Mary University of London hat die finale Validierungsphase erreicht und steht kurz vor der klinischen Anwendung.
In Großbritannien werden jährlich fast 10.000 Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Doch nur etwa fünf Prozent der Patienten überleben fünf Jahre oder länger – die niedrigste Rate unter allen häufigen Krebsarten. Grund ist oft die verspätete Diagnose: Über 85 % der Betroffenen gelangen zu spät in die Operationsfähigkeit, was die Therapieoptionen massiv einschränkt.
Prof. Crnogorac-Jurcevic, die seit über 10 Jahren in der Biomarker-Forschung tätig ist: „Wenn wir den Krebs operabel erkennen, solange Tumore klein sind und sich nicht ausgebreitet haben, können wir das Überleben entscheidend verbessern. Die Entfernung von Tumoren unter 1 cm hebt die Fünf-Jahres-Überlebensrate auf rund 60 Prozent.“
Der Test analysiert Konzentrationen von drei spezifischen Proteinen im Urin, die die Expertin als Frühstadien-Biomarker identifiziert hat. Aktuell wird er in einer 1,6 Millionen Pfund teuren klinischen Studie mit über 3.000 Probanden validiert, finanziert von der Pancreatic Cancer Research Fund (PCRF).

Bei Bestätigung der Genauigkeit entsteht ein standardisierter Urintest für den routinemäßigen Einsatz in der Diagnostik.
Will Chiles verlor 2015 seine Frau Claire (50) an Bauchspeicheldrüsenkrebs nach monatelanger Wartezeit auf die Diagnose. „Hätte ein früher Test existiert, hätte sie eine echte Chance gehabt“, sagt der 47-Jährige aus Coventry. „Es war quasi eine Todesurteil – diagnostiziert erst fünf Wochen vor ihrem Tod. Ohne Operation oder Chemo war nichts möglich. Solch ein Test könnte Leben retten.“
„Wenn das jemandem bessere Überlebenschancen gibt, ist es unbezahlbar. Wir wussten zu spät Bescheid.“