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Orang-Utans lösen Werkzeugprobleme innovativer und schneller als Kinder unter acht Jahren

Neue Erkenntnisse aus dem Leipziger Zoo: Orang-Utans erweisen sich als innovativer im Umgang mit Werkzeugen als menschliche Kinder. Ein internationales Team von Biologen und Psychologen, das den Werkzeugbau bei Menschenaffen untersucht, fand heraus, dass Orang-Utans Probleme schneller lösen als Kinder unter acht Jahren – und das eigenständig.

„Wir stellten die Orang-Utans vor ein vertikales Rohr mit einem Belohnungskorb, der einen Griff und ein gerades Drahtstück enthielt. Die zweite Aufgabe war eine horizontale Röhre mit Belohnung in der Mitte und einem um 90° gebogenen Drahtstück“, erklärt Kognitionsbiologin Isabelle Laumer, Leiterin der Studie. „Für das vertikale Rohr mussten die Tiere einen Haken in den Draht biegen, um den Korb herauszufischen. Bei der horizontalen Röhre galt es, den gebogenen Draht zu richten und die Belohnung herauszudrücken.“

Mehrere Orang-Utans lösten beide Aufgaben, zwei sogar innerhalb von Minuten. Menschliche Kinder hingegen hatten Schwierigkeiten: Drei- bis Fünfjährige scheiterten meist, weniger als die Hälfte der Siebenjährigen schaffte es. Erst Achtjährige meisterten die Herstellung der Werkzeuge konsequent.

Positive Neuigkeiten für uns Menschen: Kinder aller Altersgruppen waren erfolgreich, sobald man ihnen die Lösung vorführte. Das deutet darauf hin, dass sie die benötigten Werkzeuge verstehen und anwenden können, aber bei der eigenständigen Innovation an einem kognitiven Hindernis stoßen.

„Das Lösen komplexer Probleme hängt mit dem medialen prächfrontalen Kortex zusammen, der bei Kindern später ausreift“, so Laumer. „Dazu kommt das starke Vertrauen der Kinder ins soziale Lernen, was ihren Erfolg erst mit zunehmendem Alter erklärt.“