Im Friday Harbor Laboratories auf San Juan Island, vor der Küste Washingtons, widmet sich Meeresbiologe Adam Summers der Erforschung von Fischskeletten. Tag für Tag schiebt er Exemplare in einen CT-Scanner, um hochauflösende Bilder ihrer komplexen inneren Strukturen zu erzeugen.
Das Projekt startete vor Jahren mit nächtlichen Besuchen in lokalen Kliniken. Summers bat um Nutzung der Scanner in der Ausfallzeit und transportierte tote Haie und Rochen diskret in Taschen. Nachdem er eine umfangreiche Sammlung aufgebaut hatte, teilte er die Scans auf Twitter – und erntete enorme Resonanz. Biologen baten um Scans ihrer Favoriten. Scherzhaft startete er #ScanAllFish.
Ursprünglich schien es unmöglich: 12 Stunden pro drei bis vier Fische, über 33.000 Arten weltweit. Doch mit 3.827 Scans rechnet Summers mit Abschluss in zwei Jahren – möglicherweise unter Auslassung der größten und seltensten.
Der Erfolg brachte einen eigenen CT-Scanner ins Labor. Jeder Scan geht sofort online, frei zugänglich, ohne Namensnennungspflicht. Über eine halbe Million Downloads später nutzen Wissenschaftler, Ingenieure, Künstler und Lehrer die Daten. "Wir teilen sie mit klügeren Köpfen, die mehr damit anfangen können", sagt Summers.
Jeder kann eigene Scans vornehmen, solange Daten offen bleiben. "Bringen Sie tote Fische mit – wir scannen sie!" Kooperationen mit Museen weltweit digitalisieren Sammlungen. Diese "digitalen Sezierungen" erlauben Einblicke und Manipulationen, unmöglich bei Präparaten.
Zusätzlich färbt Summers Skelette sichtbar: Knochen rot, Knorpel blau. Nach Bleichen mit Wasserstoffperoxid und Auflösen des Fleisches mit Trypsin bleiben Haut und Gewebe. In Glyzerin fotografiert, werden ungetönte Teile transparent.
1. Stacheliger Seehase (Eumicrotremus orbis)

Diese runden Fische tragen stachelige Tuberkel-Platten. Sie schwimmen schlecht, saugen sich stattdessen mit modifizierten Beckenflossen an Felsen oder Algen fest – ähnlich wie Autohalter für Navis.
2. Schmetterlingsrochen (Gymnura-Art)

In warmen Ozeanen "fliegen" sie mit wellenden Flossen. Feine Strahlen sorgen für Schwung. Knorpel-Skelette färben sich blau statt rot.
3. Haubenhai (Sphyrna tiburo)

Haubenhaie drehen scharf zur Jagd. Ihr Scan zeigt: Der kürbiskernförmige Rumpf ist aerodynamisch, im Gegensatz zu runden Haikörpern – ideal für Wendemanöver.
4. Röhrenmaul (Aulorhynchus flavidus)

Verwandt mit Seepferdchen, schwimmen sie in Schwärmen. Weibchen tarnen sich, Männchen prangen bunt. Eier werden mit Nierensekret auf Kelp geklebt und bewacht.
5. Spotfin-Beilfisch (Thoracocharax stilettos)

Sie springen und gleiten laut summend. Große Brustmuskeln (ein Viertel der Masse) treiben sie an, tiefer Bauch stabilisiert.
6. Pirapitinga (Piaractus brachypomus)

Menschliche Zähne zum Kauen von Samen – harmlose Verwandte der Piranhas. Serrasalmiden führen mit 50/90 Arten in #ScanAllFish.
7. Spitzmaul-Angler (Anoplogaster cornuta)

Tiefsee-Raubtiere mit riesigen Zähnen, die ins Gehirn rasten. Jungtiere wurden lange als separate Art geführt.
8. Hogchoker (Trinectes maculatus)

Plattfische: Larven symmetrisch, dann wandert linkes Auge über Kopf.
9. Schuppige Groppe (Artedius harringtoni)

10 cm Männchen in US-Westküste: Territorial, bewachen Eier.