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Schimpansen-Gesten folgen denselben mathematischen Regeln wie menschliche Sprachen

Forscher der University of Roehampton haben eine faszinierende Entdeckung gemacht: Die Gesten von Schimpansen ähneln der menschlichen Sprache verblüffend und weisen zwei universelle mathematische Muster auf, die in allen Sprachen der Welt vorkommen. Dies deutet darauf hin, dass die Kommunikation unserer nächsten Verwandten unserer eigenen ähnlicher ist als gedacht. Gesten als zentrales Mittel bei Menschen und Primaten könnten ein Schlüssel in der Evolution der gesprochenen Sprache darstellen.

Das Team beobachtete 81 wilde Schimpansen beim Spielen im Budongo Forest Reserve in Uganda und protokollierte über 2.000 Gesten. Sie gliederten diese in 58 Kategorien ein, darunter Hand- und Armbewegungen wie Winken, Klatschen oder Stoßen sowie Ganzkörperaktionen wie Galoppieren, Kopfstoßen und Purzelbäume.

Die Gestennutzung der Schimpansen folgte zwei grundlegenden Sprachregeln: Zipfs Abkürzungsgesetz und Menzeraths Gesetz – Prinzipien, die allen menschlichen Sprachen zugrunde liegen.

Zipfs Gesetz besagt, dass häufig genutzte Wörter kürzer sind. In der englischen Sprache sind dies etwa „the“, „be“ und „to“. Ähnlich setzten Schimpansen die kürzesten Gesten am häufigsten ein.

Menzeraths Gesetz besagt, dass längere Sequenzen aus kürzeren Bestandteilen bestehen. Bei Menschen bedeutet das: Je mehr Klauseln in einem Satz, desto kürzer jede Klausel. Bei Schimpansen bilden längere Gestenketten kürzere einzelne Gesten.

„Die gestische Kommunikation von Primaten unterscheidet sich natürlich stark von der menschlichen Sprache, aber unsere Ergebnisse zeigen, dass beide Systeme auf denselben mathematischen Prinzipien beruhen“, erklärt die Forscherin Raphaela Heesen. „Wir hoffen, dass unsere Arbeit weitere Studien im Tierreich anregt, um die Verbreitung dieser Gesetze zu prüfen.“

Beide Gesetze exemplifizieren die linguistische Kompression – einen Evolutionsprozess, der Kommunikation effizienter macht. Zipfs Gesetz steigert die Informationsdichte und wurde auch bei Makaken und Delfinen beobachtet. Menzeraths Gesetz trat bei Geladas in Äthiopien auf. Diese Studie liefert den ersten Beweis für Kompression in tierischen Gestensystemen.