Helikopter-Elternschaft ist kein rein menschliches Phänomen. Eine neue Studie zeigt: Weibliche Bonobos greifen gezielt in das Liebesleben ihrer Söhne ein, um Enkelkinder zu sichern – sie schleppen sie sogar zu fruchtbaren Weibchen.
Wissenschaftler beobachteten Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo, dem einzigen Wildstandort dieser Menschenaffen.
Die Mütter setzten vielfältige Strategien ein, um die Paarungschancen ihrer Söhne zu steigern: Sie schützten sie vor rivalisierenden Männchen, störten Konkurrenten und führten Söhne direkt zu ovulierenden Weibchen.
Diese Taktik zahlte sich aus – Söhne solcher Mütter hatten dreimal höhere Erfolgschancen bei der Fortpflanzung.
Weiterlesen:
- Schimpanse gestikuliert Affenmerkmale der menschlichen Sprache
- Affen mit menschlichen Gehirngenen: Haben sie eine ethische Grenze überschritten?
„Dies ist das erste Mal, dass wir den direkten Einfluss der Mutter auf die Fruchtbarkeit ihrer Söhne nachweisen konnten“, erklärt Dr. Martin Surbeck, Primatologe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Leiter der Studie. „Überraschend stark wirkten die Mütter auf die Anzahl der Enkelkinder ein.“
Bonobos leben in einer einzigartigen Gesellschaft unter den Menschenaffen, die von vielen Primatologen als matriarchalisch gilt. Männchen leiten ihren Status vom ihrer Mutter ab.
Wie ein VIP-Ticket nutzten die Mütter ihren Rang, um Söhnen Zugang zu attraktiven Orten und Partnerinnen zu ermöglichen – für höheren Status und bessere Paarungschancen.
Warum Mütter so engagiert Enkel fördern, ist noch nicht gänzlich geklärt. Surbeck und Team vermuten: Dies ist eine evolutionäre Strategie, um Gene indirekt zu verbreiten.
„Diese Weibchen steigern ihren Fortpflanzungserfolg, ohne selbst mehr Nachwuchs zu gebären“, fasst Surbeck zusammen.