Wir Menschen halten uns für clever mit unseren Messern und Gabeln, doch einige Tierarten übertreffen uns im Umgang mit Werkzeugen. Basierend auf Beobachtungen von Forschern wie Dr. Lydia Luncz und Dr. Nathan Emery stellen wir fünf außergewöhnliche Beispiele vor, die Werkzeuge nutzen, um Nahrung zu erlangen.
1. Borneanischer Orang-Utan
Bei Regen schützen sich Menschen mit Regenschirmen. In der Forschungseinrichtung Camp Leakey auf Borneo basteln Orang-Utans ihre eigenen. Fotograf Thomas Marent beobachtete eine Mutter mit ihrem Baby: Als der Himmel aufriß, sammelte sie Blätter vom Baum.
„Sie formte einen Hut oder Unterschlupf“, beschreibt Marent. „Sie saß so etwa 20 Minuten.“
Wilde Orang-Utans verwenden Stöcke, um Samen aus Früchten zu holen oder Wassertiefen zu prüfen. Forscher vermuten, dass in Gefangenschaft weitere Innovationen entstehen, da wilde Jungtiere seltener neue Probleme lösen. Orang-Utans im San-Diego-Zoo flohen neunmal – einmal mit einem Brecheisen. Kein Wunder, dass sie zu den intelligentesten Primaten zählen.
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2. Neukaledonische Krähe
2002 sorgte Krähe Betty für Schlagzeilen: Sie bog einen Draht zum Haken und fischte damit Nahrung aus einer Röhre. Manche Wissenschaftler sahen darin spontane Problemlösung.
Wilde Krähen fertigen Haken aus Zweigen. Studien zeigen: Sie lernen durch Beobachtung, erinnern sich an Formen. „Wie eine Telefonnummer merken und abrufen“, erklärt Dr. Nathan Emery von der Queen Mary University of London. Krähen sind also Gewohnheitstiere mit starkem Gedächtnis.
3. Bärtiger Kapuzineraffe
Bärtige Kapuziner knacken Cashewnüsse mit Steinen auf Ambossen. Primatologin Dr. Lydia Luncz von der Oxford University betont: Dieses Verhalten wird generationenübergreifend weitergegeben – kulturell wie beim Menschen.
Im brasilianischen Serra-da-Capivara-Nationalpark dienen Steine auch als Schutz vor giftigen Cashew-Säften, zum Graben nach Knollen oder Spinnen. Weibchen werfen Steine zum Flirten.
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4. Orange gepunkteter Stoßzahn
Fische gelten selten als intelligent, doch „Percy“, ein orange gesprenkelter Stoßzahn am Great Barrier Reef (Star in Blue Planet II, 2017), nutzt Muscheln als Werkzeug: Er hält sie im Maul, schlägt sie gegen Hartkorallen als Amboss.
Experten streiten: Ist der Amboss ein Werkzeug? Percy zielte präzise auf abgenutzte Stellen – ein Zeichen kognitiver Fähigkeiten.
5. Goffins Kakadu
Biologen der Universität Wien testeten Kakadus mit Betty-Experiment: Sie bogen Pfeifenreiniger zu Haken, ohne Vorerfahrung. Emerys Team zeigte Ähnliches mit Drähten.
Keine Werkzeugnutzung in der Wildnis, doch: „Beim ersten Mal perfekt – keine Nachahmung möglich“, sagt Emery. Verallgemeinerung aus Lernprozessen: Vogelgehirne auf höchstem Niveau.
- Dieser Artikel wurde zuerst im BBC Science Focus veröffentlicht im Juni 2019 – hier anmelden