Das Erlernen neuer Fähigkeiten kann stressreduzierend wirken – sogar bei Ratten. Forscher der University of Richmond in den USA haben in einer innovativen Studie gezeigt, dass das Fahren kleiner Autos den Stresspegel bei Nagetieren signifikant senkt. Im Gegensatz zu vielen Menschen, für die das Autofahrenlernen eine nervenaufreibende Erfahrung ist, profitieren Ratten von dieser Aktivität spürbar.
Das Team trainierte 17 Ratten mit Leckerbissen als Belohnung, speziell gebaute Mini-Autos zu lenken. Diese bestanden aus einem durchsichtigen Plastikgehäuse auf einer Aluminiumbasis mit Rädern und Elektromotor. Ein Kupferdraht über der Vorderseite diente als Lenkrad mit drei Stangen: links, mitte und rechts.
Die Ratten setzten sich auf die Aluminiumplatte und berührten eine Stange, um den Stromkreis zu schließen und das Auto entsprechend zu steuern. Nach mehreren Monaten meisterten sie die Technik und navigierten geschickt über ein Gehege, um Belohnungen zu ergattern.

Nach dem Training analysierten die Wissenschaftler Stresshormone im Kot der Ratten. Das Ergebnis: Das Fahren hatte eine klare beruhigende Wirkung.
„Bei der Messung der Stresshormone Corticosteron und des Resilienzmarkers DHEA im Kot stellten wir fest, dass das Training die Hormonbalance in eine gesunde Richtung verschob – höhere DHEA/CORT-Verhältnisse. Das Fahrtraining führte somit zu resilienteren Stressprofilen“, erklärt die Studienleiterin Kelly Lambert.
Diese positive Effekt blieb bei Ratten aus, die lediglich als Passagiere mitfuhren.

Da Rattengehirne ähnliche Strukturen und Neurochemikalien wie menschliche aufweisen, bietet die Studie wertvolle Einblicke. Sie könnte als Modell dienen, um chronischen Stress und seine Auswirkungen auf die psychische Gesundheit beim Menschen besser zu verstehen, betonen die Forscher.
Als Nächstes wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie sich das Gehirn beim Erlernen des Fahrens verändert und ob neue Aufgaben die Stressbewältigung und Anpassungsfähigkeit der Ratten steigern.
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