DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Ratten opfern Belohnungen, um Artgenossen Schaden zu ersparen – Studie offenbart tiefe moralische Wurzeln

  • Expertenstudie: Ratten brechen belohnte Handlungen ab, wenn sie anderen schaden.
  • Schadensaversion ist auch beim Menschen zentral für moralische Entwicklung.
  • Gemeinsamer Gehirnmechanismus im vorderen cingulären Kortex identifiziert.

Neurowissenschaftler am Niederländischen Institut für Neurowissenschaften (NIN) haben entdeckt, dass Ratten ähnlich wie Menschen Handlungen meiden, die Artgenossen Schmerzen zufügen. Diese Schadensaversion gilt als Kern der menschlichen Moralentwicklung und ist bei antisozialen Personen oft geschwächt.

Die Ergebnisse, publiziert in Current Biology, könnten zu neuen Therapien führen, um Schadensaversion bei Patienten mit psychopathischen Zügen zu stärken.

Professor Christian Keysers, Leiter der Studiengruppe am NIN, erklärt: „Wir teilen mit Ratten einen Mechanismus gegen antisoziales Verhalten – das eröffnet spannende Möglichkeiten der Hirnforschung, um Schadensaversion bei Betroffenen zu fördern.“

Mehr über Ratten:

  • Fahren lernen kann das Stressniveau bei Ratten senken
  • Künstliche Intelligenz zur Dekodierung von Nagetiergeplauder

Im Experiment wählten Ratten zwischen zwei Hebeln für zuckerhaltige Leckerlis und entwickelten eine Präferenz. Danach wurde der bevorzugte Hebel so umkonfiguriert, dass er einem Nachbarn in einem Nebenzimmer einen unangenehmen Stromschock auslöste – trotz Leckerli. Bei den quietschenden Protesten der Betroffenen ignorierten die Ratten diesen Hebel fortan.

Dr. Julen Hernandez-Lallement, Erstautor und NIN-Forscher: „Ratten empfinden echte Abneigung gegen das Zufügen von Schaden, ähnlich wie Menschen.“

Gehirnscans zeigten Aktivität im anterioren cingulären Kortex, derselben Region, die bei empathischen Menschen aufleuchtet. Bei Injektion eines Lokalanästhetikums in diese Zone hörten Ratten auf, Artgenossen für Süßigkeiten zu schädigen.

Mehr zum Tierverhalten:

  • Tintenfische sparen beim Mittagessen, wenn es Garnelen zum Abendessen gibt
  • Robben in freier Wildbahn zum ersten Mal beim Klatschen erwischt

Dr. Valeria Gazzola, leitende Autorin und NIN-Gruppenleiterin: „Dass Menschen und Ratten dieselbe Hirnregion für Schadensvermeidung nutzen, unterstreicht die evolutionär alte, biologisch tief verwurzelte moralische Motivation, die wir mit anderen Tieren teilen.“