Meeresströmungen in der Tiefsee bilden Hotspots für Mikroplastik, die bis zu 1,9 Millionen winziger Trümmerstücke pro Quadratmeter beherbergen. Das berichten Wissenschaftler einer internationalen Studie.
Langsame Strömungen, die Tiefseeorganismen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, lenken Kunststoffpartikel in diese Bereiche und erzeugen sogenannte „Müllflecken“ auf dem Meeresboden.
Hohe Konzentrationen giftigen Mikroplastiks erhöhen das Risiko, dass Meeresbewohner es aufnehmen, warnen die Experten.
Die Ergebnisse sollen in der renommierten Fachzeitschrift Science erscheinen und die Forschung zu Mikroplastik-Auswirkungen auf das Meeresleben vorantreiben.
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Dr. Florian Pohl vom Department of Earth Sciences der Durham University, Mitautor der Studie, erklärt: „Plastik hat sich zu einer neuen Sedimentart entwickelt, die sich mit Sand, Schlamm und Nährstoffen über den Meeresboden verteilt.“
„Sedimenttransportprozesse wie Meeresbodenströmungen lagern Kunststoffpartikel an spezifischen Stellen an, wie unsere Forschung zeigt.“
Jährlich gelangen über 10 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane – nur 1 Prozent schwimmt an der Oberfläche. Der Großteil versinkt in der Tiefsee, doch die genauen Ablagerungsorte waren bislang unbekannt.

Mikroplastik umfasst Fasern und Stücke unter 5 mm Länge. Sie entstammen Textilien, die Kläranlagen-Filter passieren, sowie Fischernetzen, Schifffahrt und der Öl- und Gasindustrie.
Starke Strömungen transportieren diese Partikel zum Meeresgrund, wo sie zu großen Sedimentablagerungen – sogenannten Konturitdrifts – führen.
Das Forschungsteam analysierte Proben aus dem Tyrrhenischen Meer (Teil des Mittelmeers) und modellierte Tiefseeströmungen, um die Verteilung von Mikroplastik zu erklären.
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Studienleiter Dr. Ian Kane von der University of Manchester: „Jeder kennt die ‚Müllflecken‘ an der Oberfläche, doch die hohen Mikroplastik-Konzentrationen im Tiefseeboden haben uns schockiert.“
„Mikroplastik verteilt sich nicht gleichmäßig, sondern wird durch starke Bodenströmungen in Hotspots konzentriert.“
Die Studie ermöglicht Vorhersagen weiterer Tiefsee-Hotspots.
Dr. Mike Clare vom National Oceanography Centre in Southampton ergänzt: „Detaillierte Strömungsanalysen helfen, Transportwege zu verstehen und das ‚fehlende‘ Mikroplastik zu lokalisieren.“
„Die Ergebnisse fordern politische Maßnahmen, um zukünftigen Plastikeintrag zu stoppen und Ökosystemschäden zu minimieren.“