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Dachskeulungen gegen Rindertuberkulose: Stoppen sie die Ausbreitung wirklich?

Was ist Rindertuberkulose?

Rindertuberkulose, verursacht durch das Bakterium Mycobacterium bovis, ist ein entfernter Verwandter der Tuberkulose beim Menschen. Diese ansteckende Erkrankung befällt Nutztiere wie Rinder und Schweine sowie Wildtiere wie Dachse, Füchse und Hirsche.

Infizierte Tiere bleiben oft monatelang unbemerkt, doch die Krankheit endet tödlich. Rinderherden werden regelmäßig getestet, um die Ausbreitung zu kontrollieren. Im Jahr 2018 wurden im Vereinigten Königreich 7,7 Millionen von 9,6 Millionen Kühen auf Tuberkulose untersucht, und rund 45.000 Tiere mussten wegen eines Verdachtsfalles eingeschläfert werden, um weitere Infektionen in der Herde zu verhindern.

Das Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (Defra) legte bereits 2014 eine Strategie vor, die das Ziel formuliert, England bis 2038 offiziell "Rindertuberkulose-frei" zu machen. Dazu gehört die Reduzierung der Übertragung zwischen Herden und zwischen Rindern und Dachsen – letztere gelten als zweitwichtigste Quelle nach Kühen selbst.

Wie wird Rindertuberkulose übertragen?

Die Krankheit breitet sich durch Verschlucken oder Einatmen aus. Mycobacterium bovis überschreitet Artengrenzen – von Dachsen zu Rindern und sogar Menschen. In Großbritannien sind Humanfälle jedoch selten, da Pasteurisierung Milch entkeimt und Fleisch streng kontrolliert wird.

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Bei Rindern erfolgt die Infektion meist indirekt durch Dachse, etwa über kontaminierte Ausscheidungen auf Weiden. "Direkte Begegnungen zwischen Dachsen und Kühen sind rar", erklärt Cally Ham, PhD-Forscherin am ZSL-Institut für Zoologie und Imperial College London sowie Lead-Autorin einer Studie zu Dachskeulungen. "Die Übertragung läuft indirekt ab."

Die Infektion kann bidirektional verlaufen, weshalb Bekämpfung bei beiden Arten priorisiert wird, betont Ham.

Warum werden Dachse beschuldigt?

Dachse sind nicht die einzigen Wildtiere, die Tuberkulose auf Kühe übertragen. Hirsche teilen Weiden und weisen hohe Infektionsraten auf. "Dachse fallen stärker auf, was sie zum Sündenbock macht", meint Ham. "Im Südwesten fehlt es an Forschung zu Hirschen."

Dachse wurden 1917 als Vektoren identifiziert. Der Badgers Act 1973 erlaubte Landwirten, Lizenzen zum Töten auf eigenen Flächen zu erwerben. 1997 folgte der Krebs-Report, der keine klaren Belege für oder gegen Keulungen fand.

Zwischen 1998 und 2005 umfassten die Randomized Badger Culling Trials (RBCT) die Tötung von 11.000 Dachsen.

Dachskeulungen gegen Rindertuberkulose: Stoppen sie die Ausbreitung wirklich?

Der Defra-Bericht folgerte: "Nach sorgfältiger Prüfung aller RBCT-Daten und einer Kosten-Nutzen-Analyse leisten Dachskeulungen keinen sinnvollen Beitrag zur Rindertuberkulose-Bekämpfung in Großbritannien."

2013 starteten Pilotkeulungen in Gloucestershire, Somerset und Dorset – angesichts steigender Fälle und Forderungen der National Farmers’ Union.

Die Piloten sollten prüfen, ob Keulungen den "Störungseffekt" verstärken: Überlebende Dachse wandern weiter, was die Ausbreitung fördern könnte – das Gegenteil des Gewünschten.

Was zeigen die Pilotstudien?

Ein 2023er Bericht unter Leitung von Sara Downs (Animal and Plant Health Agency, Defra-finanziert) fand keinen Störungseffekt. In Gloucestershire und Somerset sanken die Tuberkulose-Raten sogar unter Vergleichsgebieten; in Dorset gab es keinen Unterschied.

Downs’ Analyse assoziiert industriegeführte Keulungen mit Rückgängen, warnt aber: "Dachskeulungen lösen das Rindertuberkulose-Problem nicht allein – andere Maßnahmen müssen parallel evaluiert werden."

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Die ZSL-Imperial-Studie unter Ham widerspricht: "Wir rüsteten Dachse in Keulungs- und Kontrollgebieten mit GPS-Halsbändern aus, um Bewegungen vor, während und nach Keulungen zu tracken. Das Ranging-Verhalten stieg bei allen Maßnahmen an – die Eindringlingswahrscheinlichkeit in Nachbarbereiche um das 20-Fache."

Neue Erkenntnis: Ausbreitung steigt schon während der Keulung.

Was tun stattdessen?

"Es fehlt eine gut finanzierte Dachsimpfstudie", fordert Ham. "Impfungen verursachen keinen Störungseffekt, ihr Effekt auf Rinder ist aber unklar."

Die Akzeptanz für Impfungen ist höher. Ham engagiert sich in Kampagnen, Landwirte zu überzeugen. Nächster Schritt: Rinderimpfstoffe – derzeit verboten, da kein Test Infektion von Impfung unterscheidet. Bis dahin bleiben Dachse gefährdet.