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Schmerz als verborgene Zutat zum Glück: Psychologe Brock Bastian im Interview

Schmerz gilt als etwas zu Vermeidendes. Doch Psychologe Brock Bastian argumentiert in seinem Buch The Other Side Of Happiness, dass er die unsichtbare Essenz für ein erfülltes Leben sein könnte.

Die zentrale These Ihres Buches: Wir brauchen Schmerz in unserem Leben...

Glück steht im Zentrum westlicher Kulturen und ist für viele ein Lebensziel. Doch endlose Glückseligkeit ist unmöglich – und eine bedrückende Vorstellung. Schmerzvolle, negative Erfahrungen definieren unser Glück, verleihen Leben Tiefe und Sinn. Statt sie zu bekämpfen, sollten wir sie akzeptieren.

Warum ist es problematisch, Schmerz vollständig zu eliminieren?

In der modernen Welt lindern wir Schmerzen effektiver denn je, physisch fühlen wir uns wohler. Doch wir werden zu komfortabel: Unsere Toleranz gegenüber Unbehagen schwindet, wir erwarten schmerzfrei zu leben. Das gilt nicht nur körperlich, sondern auch für emotionalen oder sozialen Schmerz. Eine Studie zeigt: Schmerzmittel dämpfen nicht nur Negatives, sondern auch Positives – sie blockieren den Zugang zu Freude. Ich rate nicht, auf Medikamente zu verzichten, aber wir greifen oft zu hastig zu.

Kontraste machen das Leben lebenswert: Ein hart erarbeiteter Urlaub erfreut mehr, das Mahl nach einer langen Wanderung schmeckt intensiver. Schwierige Erfahrungen steigern unsere Fähigkeit zur Lebensfreude. Unsere Forschung an der University of Melbourne belegt: Gesellschaften, die ständiges Glück erwarten, fördern Depressionen. In einer Studie führten Teilnehmer monatelang Tagebücher – soziale Erwartungen an Glück korrelierten stark mit depressiven Symptomen.

Welche Vorteile bringt Schmerz?

Jenseits der Schutzfunktion (Hand vom heißen Herd!) stärkt er soziale Bindungen. Wir reagieren instinktiv auf das Leid anderer. Bei den Brisbane-Überschwemmungen 2011 halfen 55.000 Freiwillige bei der Aufräumarbeit.

Macht Schmerz großzügiger?

Ja: Eine Studie vor der viralen ALS Ice Bucket Challenge 2014 zeigte, dass Menschen nach dem Eintauchen der Hand in Eiswasser großzügiger spendeten. Schmerz verlieh dem Geben Tiefe – Konfetti hätte das nicht erreicht.

Schmerz baut auch Resilienz auf. Wer mehr aushält, wird stärker. Zu viel Trauma schadet, doch moderate Herausforderungen wappnen für die Zukunft.

Schmerz als verborgene Zutat zum Glück: Psychologe Brock Bastian im Interview

Und chronische Schmerzen – können die je positiv sein?

Chronischer Schmerz ist nie erstrebenswert, Betroffene sollten nicht 'dankbar' sein. Bei einem Vortrag vor der British Pain Society war ich skeptisch, doch Ärzte schätzten die nuancierte Perspektive. Selbst hier können positive Effekte wirken – Schmerz ist nicht rein 'schlecht', was neue Bewältigungsstrategien eröffnet.

Wie setzen wir das um?

Seien Sie authentisch mit Negativem: Das Leben kann scheiße sein, Scheitern passiert. Erkennen Sie, was Schwieriges lehrt. Wir suchen Schmerz oft selbst – Marathonläufer wollen nicht nur joggen, Prüfungen drohen mit Misserfolg für echten Triumph. Nehmen Sie Herausforderungen an, ohne Schaden zu suchen. Schmerz ≠ Schaden. Wahre Freude entsteht durch Anstrengung und Risiko – der Schlüssel zu Sinn.

Schmerz als verborgene Zutat zum Glück: Psychologe Brock Bastian im Interview

Dieses Interview stammt aus BBC Focus Magazin Ausgabe 317 – hier abonnieren.