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Transgender-Athletinnen im Frauensport: Ist eine faire Integration möglich? Expertenanalyse

Seit 2003 erlaubt das Internationale Olympische Komitee (IOC) Transgender-Athleten, unter ihrem identifizierten Geschlecht an Olympischen Spielen teilzunehmen. Die Richtlinien von 2015 verlangen von Transgender-Frauen keine rechtliche Geschlechtsänderung, aber eine Begrenzung des Testosteronspiegels.

Prominente Spitzensportlerinnen wie Paula Radcliffe und Dame Kelly Holmes kritisieren diese Regelungen und fordern mehr Forschung: Haben Transgender-Frauen nach dem Hormonübergang nachhaltige Vorteile gegenüber Cisgender-Frauen?

Diese Debatte basiert auf biologischen Unterschieden: Männer sind im Schnitt größer, haben höhere Testosteronwerte, mehr Muskelmasse, weniger Fett, dichtere Knochen und bessere Sauerstofftransportkapazität. Ein männlicher Spitzensportler schneidet daher typischerweise 10 % besser ab als eine weibliche Pendantsportlerin.

Yannis Pitsiladis, Professor für Sport- und Bewegungs wissenschaften an der University of Brighton und renommierter Experte, betont: „Wir brauchen klare Beweise, um zu beurteilen, ob Transgender-Frauen fair gegen Cisgender-Frauen antreten können – oder warum es fair ist.“

Beim Übergang von Mann zu Frau sinkt durch Testosteronunterdrückung die Muskelmasse. Doch Muskeln könnten ein „Gedächtnis“ behalten: Ihre Wachstumspotenzial hängt von Myonuklei ab – mehreren Zellkernen pro Muskelfaser. „Testosteron erhöht diese Myonuklei-Anzahl dauerhaft“, erklärt Pitsiladis. „Selbst nach Senkung des Hormons bleibt das Potenzial erhalten.“ Dies wurde bisher nur an Mäusen beobachtet; Humanstudien fehlen.

Muskelmasse allein entscheidet nicht: Ein größeres Skelett kann Vorteile (z. B. Basketball) oder Nachteile (z. B. Turnen) bringen. Die Sauerstoffaufnahme sinkt durch fallende Hämoglobinwerte: „Ein größerer Körper mit kleinerem Motor“, sagt Pitsiladis.

Fairness erfordert Leistungsvergleiche vor/nach Übergang. Aktuelle Forschung ist spärlich: Eine 2016er Review fand keine Belege für Vorteile von Transgender-Frauen. Die 2004er Studie von Gooren und Bunck (VU Amsterdam) zeigte Überlappung in Muskelmasse – bei Nicht-Athleten.

Joanna Harper, Medizinphysikerin, Langstreckenläuferin und Transgender-Frau, maß 2011 Laufzeiten von acht Trans-Frauen: Vor/nach Übergang lagen sie altersadjustiert gleichauf – bei Amateurläufern, nicht Elite.

„Wir müssen rigoros forschen, um faire Regeln zu schaffen“, fordert Pitsiladis. „In einer modernen Gesellschaft sollten wir faktenbasiert und emotionsfrei vorgehen.“