Ein Gen, das mit dem seltenen Wilms-Tumor – der häufigsten Form von Nierenkrebs bei Kindern – in Verbindung steht, könnte zukünftige Behandlungen revolutionieren. Experten sehen darin den Schlüssel zu Therapien, die lebenswichtige Organe erhalten.
Bei den meisten Jugendlichen mit Wilms-Tumor wird die Niere entfernt. Doch neue Forschung deutet auf gezielte Behandlungen hin, die nur abnormes Gewebe angreifen – ohne eine oder beide Nieren zu opfern.
Nierenkrebs ist bei Kindern selten, der Wilms-Tumor die häufigste Variante. Jährlich sind etwa 80 Kinder im Vereinigten Königreich betroffen.
Neun von zehn Fällen werden durch operative Entfernung der Niere behandelt. Obwohl meist nur eine Niere betroffen ist, sind bei rund 10 % beide Nieren involviert.
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Dr. Kathy Pritchard-Jones, Professorin für pädiatrische Onkologie am UCL Great Ormond Street Institute of Child Health, erklärt: „Bei einer Wilms-Tumor-Operation wird üblicherweise die gesamte Niere entfernt, um Rückstände zu vermeiden.“
„Manche Kinder brauchen jedoch präzisere Eingriffe, die die Nierenfunktion erhalten – besonders bei bilateralen Tumoren oder genetischem Risiko für weitere Krebsfälle.“
„Ich hoffe, wir entwickeln Behandlungen, die sich auf abnormes Gewebe konzentrieren, ohne Nieren zu opfern.“

Das Forschungsteam vom Wellcome Sanger Institute, Addenbrooke’s Hospital in Cambridge und Great Ormond Street Hospital in London untersuchte genetisches Material aus 229 Nierengewebeproben.
Die Wissenschaftler verfolgten das Wachstum präkankrösen Gewebes zu einer einzelnen „Schurkenzelle“ zurück, die eine DNA-Veränderung im Gen H19 aufwies. Dieses Gen unterdrückt abnormes Wachstum.
H19 sorgt dafür, dass Zellen geordnet wachsen. Ist es deaktiviert, wird abnormes Gewebe unsichtbar für Kontrollmechanismen und kann sich festsetzen.
Tim Coorens, Erstautor der Studie vom Wellcome Sanger Institute, vergleicht: „Der Wilms-Tumor ist kein isoliertes Unkraut auf einem gepflegten Feld. Er hat ausgedehnte Wurzeln unter der Erde.“
„Wir müssen den Bodenfleck finden, wo die Wurzel sitzt. Entfernen wir ihn, kommt das Unkraut nicht zurück.“
Die Ergebnisse erschienen in der renommierten Fachzeitschrift Science.