Viele kennen die Reproduktionszahl R des Coronavirus. Sie zeigt im Durchschnitt, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt.
Die R-Zahl schwankt je nach Bedingungen. Bei sozialer Distanz und Hygiene sinkt sie, doch der natürliche R-Wert von COVID-19 liegt bei etwa drei: Eine Person überträgt es im Schnitt auf drei weitere.
Bringen wir R unter eins, breitet sich das Virus aus und erlischt schließlich.
Warum steigen Fälle dennoch in Regionen mit R nahe eins? Durch Pandemiedaten haben Wissenschaftler Modelle verfeinert und die Übertragungsdynamik besser verstanden.
Neueste Coronavirus-Nachrichten:
- Öffentliche Immunität schwindet schnell: Weniger als 5 % haben Antikörper.
- Coronavirus überlebt 28 Tage auf Telefonbildschirmen und Geldscheinen.
- COVID-19-Impfstoff: Testpersonen werden absichtlich infiziert.
„R ist einfach verständlich“, sagt Benjamin Althouse vom Institute for Disease Modeling. „Aber sie kaschiert Superspreader und die mit geringer Übertragung.“
Studien zeigen: Bis zu 80 % der Übertragungen stammen von 10 % der Infizierten. Die meisten geben COVID-19 nicht weiter – ähnlich wie bei SARS und MERS, wo Ausbrüche „überschwellig“ waren und von Superspreader-Events dominiert wurden.
Beispiel: Patient 31 in Südkorea infizierte über Gottesdienste mehr als 5.000 Menschen. Dr. Anthony Fauci nannte kürzlich eine US-Veranstaltung zum Supreme-Court-Kandidaten ein Superspreader-Event mit 11 Positiven.
Statistiker berechnen daraus den K-Wert: Er misst die Übertragungskonsistenz (von 0 bis unendlich). Niedrige K bedeuten starke Überschwelligkeit. Für SARS-CoV-2: 0,1; SARS 2003: 0,16; Masern: 0,22. Saisonale Grippe in der Schweiz: 2,36 bis 53,18.

Althouse vergleicht es mit Feueranzünden: Mehrere Streichhölzer scheitern oft, bis eines den Stapel entzündet. „Oder werfen Sie einen COVID-Infizierten in einen Raum.“
Superspreader-Bedingungen bekämpfen ist Schlüssel. Nasseres Holz braucht länger, ein größerer Span mehr Flamme – das informiert Maßnahmen.
Quentin Leclerc von der London School of Hygiene & Tropical Medicine analysierte Förderfaktoren: Enge Innenräume, schlechte Belüftung, lautes Sprechen.
„Aber es gibt Bias: Betroffene erinnern sich eher an Hallenbesuche als Parkkontakte.“ Deshalb keine starren Risikolisten, sondern Merkmalsbewertung: Ein offenes vs. enges Restaurant unterscheidet sich stark.
Das optimiert Kontakttracing: NHS Test and Trace fokussiert enge Kontakte. Doch rückwärts schauen hilft, gleichzeitige Infektionen in Settings zu finden.
Studien empfehlen, risikoreiche Orte bei Lockdown-Aufhebung zu überwachen.
Wichtig: Nicht Superspreader-Personen, sondern Events treiben es. Viele infizieren vor Symptomen unbemerkt. „Kein Böswillen“, betont Althouse. „Wir alle müssen wachsam sein.“