Träume wurden während der Pandemie ungewöhnlich lebendig und intensiv. Besonders in den ersten Monaten berichteten viele Menschen, sie würden öfter träumen. Sie suchten im Schlaf Erholung vom Pandemie-Stress – und stießen dort erneut darauf. Die folgenden Zitate stammen von idreamofcovid.com, einer Plattform, auf der Nutzer ihre bizarrsten COVID-Träume teilen:
„Ich habe geträumt, dass ich im Bett war und mein Laptop auf dem Schreibtisch neben mir mich bei Zoom-Anrufen automatisch mit Leuten verbunden hat – einige bekannte, andere zufällig, aber immer mit eingeschaltetem Video. Ich wurde immer wieder von Leuten unterbrochen, die mich beobachteten und lachten.“
„Ich hatte einen Traum, dass festgestellt wurde, dass Deckenventilatoren das Virus verbreiten und die Regierung sie alle um Mitternacht abschalten wollte (mit einem magischen Notausschalter) und dass, wenn unsere nicht abgeschaltet würden, sie herunterfallen und zerbrechen würden. Ich begann im Schlaf zu sprechen und brachte meinen Partner dazu, den Deckenventilator auszuschalten.“
„Ich habe geträumt, dass all unsere Masken Teil unserer physischen Gesichter werden. Niemand hatte mehr Mund oder Nase.“

Aber träumten wir wirklich häufiger? Oder erinnerten wir uns nur besser an unsere Träume? Die Forschung deutet auf Letzteres hin.
Als Co-Autor einer Studie, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Nature and Science of Sleep, untersuchte ich dies mit einem Team. Wir befragten 19.355 Personen auf vier Kontinenten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Weltweit erinnerten sich die Menschen in den frühen Pandemiemonaten häufiger an ihre Träume – unabhängig davon, ob diese mit COVID-19 zu tun hatten.
Warum ist das so? Die Pandemie stellte ein globales Trauma dar. Solche Ereignisse – sei es Krieg, Erdbeben oder Naturkatastrophen – verstärken die Intensität unserer Träume. Intensivere Träume prägen sich besser ein, selbst wenn wir sie lieber vergessen würden.
Nicht nur die Traumerinnerung stieg: Schlafstörungen nahmen zu. Unsere Studie zeigte, dass Menschen mit gesteigerter Traumerinnerung auch schlechter schliefen. Insgesamt litten mehr Menschen unter Schlafproblemen. Häufigeres Aufwachen fördert die Erinnerung an Träume, insbesondere im REM-Schlaf (Rapid Eye Movement).
Diese Beobachtung unterstreicht die zentrale Rolle des Schlafs. Träume belegen, dass unser Gehirn im Schlaf Erinnerungen und Emotionen verarbeitet – auch wenn wir uns nicht daran erinnern. REM-Schlaf ist essenziell für Wohlbefinden und Kreativität und schärft unseren Geist.
Oft halten wir Schlaf für pure Erholung, als schalte das Gehirn ab. Tatsächlich läuft entscheidende Arbeit im Hintergrund, die uns tagsüber fit hält. Unsere Studie mahnt: Wir müssen die Krisenbewältigung durch Träume und die Bedeutung von Schlaf für die psychische Gesundheit intensiver erforschen. Schlafmangel raubt uns emotionale Verarbeitung und Qualität – mit Folgen jenseits von Müdigkeit. Die wahren Albträume entstehen durch Schlafmangel.