Welche Alternativen zum Begriff "Klimawandel" gibt es?
Im Mai 2019 kündigte The Guardian an, die Sprache in Umweltberichten anzupassen. Statt "Klimawandel" wird nun von der "Klimakrise" gesprochen. Dies folgte der Rede des UN-Generalsekretärs Antónío Guterres im September 2018.
The Guardian ersetzte auch "globale Erwärmung" durch "globale Überhitzung" und "Biodiversität" durch "Wildtiere". Prof. Richard Betts, Klimawissenschaftler am Met Office, empfahl diesen Wechsel bereits auf dem UN-Klimagipfel im Dezember 2018.
Im November 2019 forderte Markenexperte Aaron Hall ein Team von Vermarktern auf, inspirierende Alternativen zu finden. Vorschläge waren "Klimachaos", "globale Kernschmelze", "Verbrannte Erde", "Der große Zusammenbruch" und "Erdbeben".
Warum ist ein Wechsel der Terminologie sinnvoll?
Katharine Viner, Chefredakteurin von The Guardian, betont: Der Begriff "Klimawandel" vermittle die Katastrophen-Dimension nicht ausreichend. "Wissenschaftler sprechen von einer Katastrophe für die Menschheit", sagt sie.
Sprache beeinflusst Reaktionen stark, erklärt Sozialpsychologe Dr. Sander van der Linden, Direktor des Cambridge Social Decision-Making Lab. "Manche meinen, Sprache sei unwichtig – doch sie treibt Handeln an."
"Klimawandel" klingt neutral und signalisiert keine Dringlichkeit, ergänzt van der Linden. Dr. Dann Mitchell, außerordentlicher Professor für Atmosphärenwissenschaften an der Universität Bristol, fügt hinzu: "Die Art, wie wir sprechen, motiviert zum Handeln."
Beispiel globale Durchschnittstemperaturen: "Ein Bad, 0,2 °C wärmer, stört niemanden – doch für die Erde hat es massive Folgen, verstärkt lokal", sagt Mitchell.
"Globale Erwärmung" wirkt emotionaler, übersieht aber Überschwemmungen und Artenverlust, warnt van der Linden: "Es überzeugt, beleuchtet aber nicht die volle Bandbreite."
Ändert Sprache wirklich Verhalten?
In der Medizin ist der Framing-Effekt bewiesen: "Todes- vs. Überlebenswahrscheinlichkeit verändert Reaktionen trotz gleicher Zahlen", sagt van der Linden.
Studie 2008 von Noah J. Goldstein: Hotelgäste wiederverwendeten Handtücher bei 35 % (Umweltschutz), 44 % (Mehrheit tut es) und 49 % (Zimmergäste tun es).
Van der Lindens Forschung mit 6.000 US-Amerikanern: Klare Erklärung des wissenschaftlichen Konsenses änderte Überzeugungen und steigerte Besorgnis.
Südkoreanische Analyse (2004–2015, 40.000 Tweets): "Klimawandel" ersetzte zunehmend "globale Erwärmung".
Welcher Begriff ist der beste?
Kontext entscheidet, sagt Mitchell: "Als Forscher sage ich 'anthropogener Klimawandel'. Für Medien passt 'Klimakrise', doch es fehlt ein perfektes Wort für diesen Notfall."
Bei Öffentlichkeitsarbeit zählen Emotionen: Sorge motiviert, Angst lähmt, betont van der Linden. Ideale Begriffe wecken Dringlichkeit und Optimismus.
Seine Wahl: "Klimakrise" – signalisiert Lösbarkeit, im Gegensatz zu "Chaos" oder "Kernschmelze".