Eine aktuelle Studie des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington prognostiziert, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2064 mit etwa 9,7 Milliarden ihren Höchststand erreicht, bevor sie bis 2100 auf 8,8 Milliarden sinkt.
Die Forscher stützen ihre Vorhersage auf einen globalen Rückgang der Gesamtfruchtbarkeitsrate – der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau. Dies resultiert aus besserem Bildungs- und Verhütungszugang für Mädchen weltweit.
Bis 2100 werden 183 von 195 Ländern die aktuelle Bevölkerungsgröße nicht mehr halten können, basierend auf einer Ersatzfruchtbarkeitsrate von 2,1 Geburten pro Frau.
23 Länder wie Japan, Thailand, Italien und Spanien erwarten bis Jahrhundertende einen Bevölkerungsrückgang um mehr als 50 Prozent.
In Subsahara-Afrika hingegen könnte die Bevölkerung von 1,03 Milliarden (2017) auf 3,07 Milliarden anwachsen, getrieben durch sinkende Sterberaten und mehr Frauen im reproduktiven Alter.
Das IHME-Team nutzte Daten der Global Burden of Disease Study 2017. Die Studie, veröffentlicht in The Lancet, warnt vor einer Verschiebung globaler Wirtschaftsmacht durch dramatische Rückgänge der erwerbsfähigen Bevölkerung in Ländern wie Indien und China.
Außer Nordafrika wird der Nahe Osten die einzige Region sein, die bis 2100 wächst: von 600 Millionen (2017) auf 978 Millionen.
Am stärksten schrumpfen Bevölkerungen in Asien und Mittel- sowie Osteuropa, betonen die Experten.
Japan: von 128 auf 60 Millionen bis 2100; Thailand: 71 auf 35 Millionen; Südkorea: 53 auf 27 Millionen. Spanien: 46 auf 23 Millionen; Italien: 61 auf 31 Millionen; Portugal: 11 auf 5 Millionen.

Professor Stein Emil Vollset, IHME und Erstautor: „Während Bevölkerungsrückgang CO₂-Emissionen und Ernährungssysteme entlasten könnte, entstehen mit mehr Älteren und weniger Jungen wirtschaftliche Herausforderungen. Gesellschaften müssen mit weniger Arbeitnehmern und Steuerzahlern wachsen, was den Wohlstand für Sozialsysteme und Altenpflege einschränkt.“
Einwanderung könnte Rückgänge abmildern, besonders in Ländern mit niedriger Fruchtbarkeit wie USA, Australien und Kanada.

IHME-Direktor Dr. Christopher Murray: „Für reiche Länder mit Substitutionsfruchtbarkeit sind offene Einwanderung und familienfreundliche Politiken Schlüssel zu stabilem Wachstum und Sicherheit. Dennoch drohen restriktive Maßnahmen gegen reproduktive Gesundheit – Frauenrechte müssen priorisiert werden.“
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Die Studie sagt voraus: Bis 2100 übersteigen Über-80-Jährige Unter-20-Jährige; 2,37 Milliarden über 65 vs. 1,7 Milliarden unter 20. Kinder unter fünf sinken um über 40 Prozent: von 681 auf 401 Millionen.