Ein internationales Forscherteam hat in der Fa-Hien-Lena-Höhle tief im Regenwald Sri Lankas makellos erhaltene Pfeilspitzen aus Knochen entdeckt. Dieser Fund liefert den frühesten Beweis für die Nutzung von Bogen und Pfeil außerhalb Afrikas.
Das Team aus Experten des Max-Planck-Instituts für die Wissenschaft von der menschlichen Geschichte (MPI-SHH) in Deutschland, der Griffith University in Australien sowie der Archäologie-Abteilung der Regierung Sri Lankas datiert die Artefakte auf rund 48.000 Jahre. Sie dienten vermutlich der Jagd auf anspruchsvolle Regenwaldbeute wie Affen und Eichhörnchen.

„Die Bruchspuren an den Spitzen deuten auf starke Einschläge hin, wie sie typisch für die Jagd mit Pfeil und Bogen sind“, erklärt Hauptautorin Michelle Langley von der Griffith University. „Dieser Nachweis übertrifft ähnliche Funde in Südostasien um 16.000 Jahre und ist derzeit der älteste klare Hinweis auf diese Technologie außerhalb Afrikas.“
Zusammen mit den Pfeilspitzen fanden sich weitere Werkzeuge für Süßwasserfischen in tropischen Flüssen, Faserbearbeitung für Netze oder Kleidung sowie dekorative Objekte. Diese Vielfalt deutet auf ein hochentwickeltes soziales Netzwerk früher Menschen in den Tropen Südasiens hin.
„Wir entdeckten zudem Belege für farbige Perlen aus Ocker und fein gearbeitete Muschelperlen, die von der Küste importiert wurden – vergleichbar mit ‚sozialen Signalmaterialien‘ aus Eurasien und Südostasien vor 45.000 Jahren“, ergänzt Langley.
Die Ergebnisse zeigen: Technologische, symbolische und kulturelle Innovationen früher Menschen lassen sich nicht mehr auf einzelne Regionen beschränken, betonen die Forscher.

„Der menschliche Einfallsreichtum und die Anpassungsfähigkeit ermöglichten es unseren Vorfahren, vor 10.000 Jahren nahezu alle Kontinente zu besiedeln und uns zur globalen Spezies zu machen“, fasst MPI-SHH-Direktorin Nicole Boivin zusammen.