DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Ozeane als Erdbatterie: Helen Czerskis Einblicke zu Physik und Klimakrise in den Royal Institution Christmas Lectures

Die Royal Institution Christmas Lectures, initiiert 1825 von Michael Faraday, faszinieren seit Jahrzehnten. Jährlich im nationalen Fernsehen ausgestrahlt, bringen sie an drei Weihnachtsabenden herausragende Wissenschaftler auf unsere Bildschirme.

Traditionell in London abgehalten, gestalten sich die Vorträge 2020 anders. Unter dem Titel Planet Earth: A User's Guide leiten Professor Chris Jackson, Dr. Helen Czerski und Dr. Tara Shine die Serie.

  • Der zweite Vortrag läuft heute Abend, 29. Dezember, um 20 Uhr auf BBC Four. Den ersten finden Sie auf BBC iPlayer.

Im zweiten Vortrag beleuchtet die Physikerin und Ozeanographin Helen Czerski die zentrale Rolle der Ozeane in der Klimakrise. Wir sprachen mit ihr im Science Focus Podcast – hören Sie die Folge unten an. Hier teilt Helen ihre Erfahrungen als Weihnachtsvortragsrednerin 2020.

Ozeane als Erdbatterie: Helen Czerskis Einblicke zu Physik und Klimakrise in den Royal Institution Christmas Lectures

Warum forscht eine Physikerin zu Ozeanen?

Hauptsächlich geht es um Energie – vor allem Wärme, aber auch kinetische Energie.

Wir wissen, wie viel Energie ein Wasserkocher verbraucht: Man drückt den Knopf, das Licht leuchtet, und bald gibt's Tee. Überwachen Sie Ihren Haushaltsverbrauch, dominieren Wasserkocher und Trockner. Der Ozean speichert immense Energiemengen, ohne stark aufzuwärmen. Sobald diese Energie umverteilt wird, entfalten sich massive Effekte. Er fungiert als Batterie für die Erde.

Das macht unseren Planeten lebenswert: Bei bewölkten Tagen sinkt die Temperatur nur leicht, statt dramatisch. Ozeane halten uns warm im Winter und kühlen im Sommer.

Der Ozean speichert überschüssige Energie und gibt sie bei Bedarf frei – ein Puffer für das Erdsystem. Stellen Sie sich vor, die Erde leiht sich Energie aus dem Universum: Sie strömt ein, wird genutzt und abgestrahlt. Der Ozean managt diesen Fluss und verteilt sie global. Ohne ihn wären die Pole im Winter eisiger – vergleichen Sie Arktis und Antarktis in der Polarnacht.

Das Meer wirkt flach und blau, doch unter der Oberfläche tobt dynamisches Leben, das Energie transportiert.

Macht den Ozean als Energiebatterie zur Top-Quelle erneuerbarer Energie?

Nein, überraschenderweise nicht. Meerestemperaturenergie ist ortsbeschränkt nutzbar.

Bei Erneuerbaren geht's nicht um knappe Energie, sondern um nützliche Energie – die entsteht durch Unterschiede. Ein Vogel im Wind spürt nichts, wenn er gleich schnell fliegt: Kein relativer Unterschied, keine nutzbare Kraft.

Für uns Menschen ist Ozeanenergie "niedrigwertig": Geringe Temperaturgradienten erlauben keine effiziente Nutzung. Sonnenlicht hingegen bietet starke Kontraste – von Dunkel zu Hell.

Physikalisch zählt nutzbare Energie. Ausnahmen wie Wärmepumpen in Tropen nutzen Oberflächenwärme vs. Tiefenkalte. Ich besuchte eine Demonstrationsanlage in Hawaii: Ein rot-blauer Whirlpool simuliert das, erzeugt aber kaum Überschuss.

An Land treibt Ozeanwärme indirekt Windräder an. Wärmeakkumulation ist problematisch, doch für unsere Gesellschaft wenig nutzbar.

Ozeane als Erdbatterie: Helen Czerskis Einblicke zu Physik und Klimakrise in den Royal Institution Christmas Lectures

Welche Initiativen geben Ihnen Hoffnung?

Veränderungen wirken langsam, doch wir starten nicht bei Null. Meine Mutter schickte kürzlich ein Foto: Vor 25 Jahren demonstrierte ich für Friends of the Earth. Diese Themen sind altbekannt.

Heute wird offen diskutiert – brillant! Viele Ideen reifen seit Jahrzehnten. Auf menschlichen Zeitskalen ändert sich viel schnell. Gute Konzepte existieren; wir bauen darauf auf.

Wie unterscheidet sich die virtuelle Ausstrahlung?

Kein Live-Publikum, stattdessen virtuell. Drehs ähneln Dokumentationen, doch wie Vorträge gefilmt.

Mensch-zu-Mensch-Kommunikation ist Kern. Live spürt man Atmung, Aufmerksamkeit. In der Royal Institution steht man inmitten steiler Ränge – wie antike Agora.

Ohne Feedback müssen wir die emotionale Reise präzise planen. Virtuell könnte ich Reaktionen falsch einschätzen.

Interviews mit früheren Dozentinnen:

  • 2019 Hannah Fry: Wie viel unseres Lebens wird heimlich von Mathematik gesteuert?
  • 2018 Aoife McLysaght: Was macht mich zu "mir"?
  • 2017 Sophie Scott: Eine Verbindung herstellen

Das Demonstrationsteam der Royal Institution ist Weltklasse – sie perfektionieren Setup stundenlang. Meeresdemos freue ich mich drauf; sie sind lehrreich und nun dauerhaft nutzbar online.

Virtuell öffnet Türen: Früher exklusiv für Mayfair-Gäste, jetzt für alle. Tradition ergänzen, nicht ersetzen – teilen schafft Vielfalt.

Was lernen 2021-Dozenten daraus?

Live-Publikum hoffentlich zurück, doch Hybride behalten. Nicht alles verwerfen – Gutes integrieren.

  • Abonnieren zum Science Focus Podcast: Acast, iTunes, Stitcher, RSS, Overcast

Weitere Folgen:

  • Hannah Fry: Mathematik im Alltag
  • Weihnachtsvorträge der Royal Institution
  • Sir David Attenborough: Planetenrettung
  • Christiana Figueres & Tom Rivett-Carnac: Klimazukunft
  • Tiefsee mit Dr. Jon Copley
  • Mark Miodownik: Biokunststoffe