DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Wahrnehmen Tiere die Zeit anders als Menschen? Wissenschaftliche Fakten und Studien

Die Wahrnehmung der Zeit hängt eng mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns zusammen. Forscher messen dies bei Tieren, indem sie Lichtimpulse zeigen, die zunehmend schneller werden. Ab einem bestimmten Punkt erscheint das Licht kontinuierlich leuchtend. Präzise platzierte Elektroden im Gehirn offenbaren genau diesen Übergang.

Studien belegen: Kleinere Tiere mit schnellem Stoffwechsel erkennen höhere Frequenzen flackernder Lichter als größere, langsamere Arten. Ähnlich wie Neo in Matrix Kugeln ausweicht, wirken Bewegungen für sie verlangsamt.

Salamander und Eidechsen nehmen die Zeit langsamer wahr als Katzen oder Hunde. Das erklärt die nervtötende Geschicklichkeit von Fliegen, die Zeitungen zu entkommen. Doch warum ist das so?

Aus evolutionärer Perspektive macht es Sinn: Schnell reagierende Tiere – etwa zur Flucht vor Raubtieren oder beim Jagen schneller Beute – profitieren von einer feineren Zeitauflösung. Bemerkenswert: Manche Arten passen ihre Wahrnehmung aktiv an. Schwertfische steigern vor der Jagd die Gehirndurchblutung, was die Zeit für sie verlangsamt und mehr Bilder pro Sekunde ermöglicht – für blitzschnelle Reaktionen.

Bei Mäusen beschleunigt die Stimulation dopaminproduzierender Neuronen die Zeitwahrnehmung. Diese Erkenntnisse haben Relevanz für Menschen mit Dopaminstörungen wie ADHS: Ein Dopaminmangel führt zu langsamerer Zeitwahrnehmung und kann Impulsivität begünstigen.

Mehr davon

Umgekehrt können Dopamin steigernde Medikamente die Zeitwahrnehmung beschleunigen und so helfen. Dies bleibt eine vielversprechende Hypothese – die Zeit wird es zeigen.

Gefragt von: Simon Bartlett, Leicester